
Das Forum für Kunst und Geschichte in Potsdam – wo Historie auf kritische Fragen trifft
Die oftmals lange Geschichte von Städten wie Köln, Berlin oder Potsdam ist vor allem für Kinder und Jugendliche kaum zu überblicken. Museen leisten hier einen wichtigen Beitrag zur Bildung, indem sie Relikte aus den unterschiedlichen Epochen eines Ortes darstellen – und die Historie damit greifbar werden lassen. Ein Konzept, dem auch das Forum für Kunst und Geschichte in Potsdam folgt. Doch hier gilt, dass Besucher nicht nur anschauen und lernen sollen – sondern dass sie gern in den offenen Dialog über wichtige Fragen zur Stadtentwicklung treten dürfen.Ein ganzes Jahrtausend in einem Haus
Als Potsdam im Jahre 993 erstmals urkundlich erwähnt wurde, da war nicht absehbar, welchen Einfluss es auf die deutsche und europäische Geschichte einst haben würde. Doch in der nunmehr rund ein Jahrtausend umfassenden Historie hat sich einiges getan. So war Potsdam preußischer Königssitz und Garnisonsstadt. Wolfgang Amadeus Mozart hielt sich zeitweilig hier. Sowohl im Dritten Reich als auch während der Deutschen Demokratischen Republik nahm der Ort eine zentrale Bedeutung für das gesamte Land ein – 1945 wurde auf der Potsdamer Konferenz u. a. die Demilitarisierung des Deutschen Reiches beschlossen.Es verwundert somit nicht, dass die Potsdamer selbst schon im Jahre 1909 die Idee hatten, ein Museum zu eröffnen, das sich eigens der langen Geschichte der Stadt widmet. Mittlerweile ist daraus das Forum für Kunst und Geschichte entstanden, das im alten Rathaus beheimatet ist und dort auf nicht weniger als 250.000 Objekte blickt. Viele von ihnen stammen aus privaten Spenden – ebenso aber aus mühevoller Kleinarbeit, die die Bürgerinnen und Bürger der Stadt aufgewendet haben, um historisch bedeutsame Zeugnisse und Gegenstände ihrer Zeit zu finden und sie dem Museum als Ausstellungsstück zu übergeben.
Vom Vorposten zur Perle Brandenburgs
Vielfach wird angenommen, dass Potsdam bis in das Mittelalter hinein als eine vorgelagerte Siedlung für Berlin angelegt wurde und der Aufbau militärischer Anlagen auch der Sicherheit der heutigen Hauptstadt dienen sollte. Doch wie konnte sich daraus die glanzvolle Stadt entwickeln, die stets reich an Kunst und Kultur war? Dieser Frage widmet sich das Forum, indem es einen ausgiebigen Blick auf die lange Historie des Ortes wirft. Einzelne Kapitel – wie etwa die Jahre unter dem Alten Fritz, die NS-Zeit oder die Epoche der DDR – werden dabei ausführlich behandelt.Das Museum für Kunst und Geschichte verfügt über zahlreiche originale Relikte. Das können etwa Gewehre der sogenannten Langen Kerls, Tische und Stühle der Potsdamer Konferenz oder ein Grenzbalken der Glienicker Brücke sein. Die Besucher des Forums sollen die Historie des Ortes mit wenigen Blicken erfassen können. Wichtige Informationen werden auf Texttafeln sowie auf Videos und im Audioguide bereitgestellt. Mehr interessantes Wissen vermitteln die Angestellten des Hauses im Rahmen einer professionellen Führung – die sich unter anderem der Frage widmet, wie zur DDR-Zeit die Staatssicherheit von Potsdam aus Menschen der nahen Region überwachte.
Der künstlerische Blick auf Potsdam
Doch eine derart lange existierende Stadt hat mehr zu bieten, als die Chronik des Ortes auf den ersten Blick preisgibt. Denn wo Menschen leben, da wird das Geschehen auch immer individuell interpretiert – und zuweilen künstlerisch verarbeitet. Im Forum lassen sich daher gegenwärtig mehrere hundert Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, lyrische Werke sowie Fotos und Videos finden, die Potsdam aus einem etwas anderen – und zumeist rein persönlichen – Blickwinkel zeigen. Die Dauerausstellung sieht sich dabei nicht eng geschlossen, sondern will sich bewusst für neue Kunstformen öffnen.Überhaupt regt vieles im Museum zur Diskussion an. Sowohl Kinder und Jugendliche als auch die Erwachsenen sind eingeladen, ihre Sichtweise auf verschiedene Fragen zu nennen. Etwa: Was genau zeichnet die Kunst einer Stadt eigentlich aus? Welche Kultur kann sich in einem Ort entwickeln, in dem die Menschen während der NS- und der DDR-Diktatur unterdrückt wurden und freie Meinungen verboten waren? Welchen Blick auf das wahre Leben bietet die Kunst in repressiven Gesellschaftsformen, in denen die politische Zensur zum Alltag gehört? Ein Gedankenspiel, das im Forum für Kunst und Geschichte in Potsdam gerne näher erörtert werden darf. Community: 0 Bewertungen
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