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Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Ein stiller Ort mit großer Wucht – Geschichte, die greifbar wird

In der Potsdamer Nauener Vorstadt liegt ein Gebäude, das äußerlich fast zurückhaltend wirkt. Genau diese Unaufgeregtheit macht den Besuch so eindringlich. Die Gedenk- und Begegnungsstätte in der Leistikowstraße befindet sich in einem ehemaligen Pfarrhaus, das nach 1945 zum zentralen Untersuchungsgefängnis der sowjetischen militärischen Spionageabwehr umgebaut wurde. Es gehörte zu einem jahrzehntelang abgeschirmten Geheimdienstareal, das in der Stadt als „verbotene“ Zone galt.

Für eine Klassen- oder Kursfahrt bietet sich hier ein Lernort, der sofort wirkt, weil er nicht über Inszenierung funktioniert. Jugendliche stehen in echten Fluren, vor echten Türen, in Räumen, die niemand nacherzählen muss. Das bringt Gespräche in Gang, die im Klassenzimmer oft nur schwer aufkommen: Was bedeutet Macht, wenn sie sich keiner Kontrolle stellen muss? Schüler spüren an diesem Ort unmittelbar, wie ohnmächtig ein Alltag aus Warten und Verhören macht. Und man fragt sich unweigerlich: Was heißt eigentlich Rechtsstaatlichkeit, wenn man sie einmal nicht als Selbstverständlichkeit voraussetzt?

Dauerausstellung und Originalschauplatz

Die Ausstellung vor Ort setzt auf Authentizität und verständliche Einordnung. Der wichtigste Ausstellungsgegenstand bleibt das Gebäude selbst: unzählige Haftbereiche, weite Wege durchs Haus und sichtbare Spuren der massiven Nutzung vermitteln direkt, wie extrem kontrolliert das Areal war. Mediale Stationen, Fotos und Originaldokumente erklären die historischen Hintergründe präzise, ohne die Besucher mit Jahreszahlen zu überrollen.

Besonders hilfreich für Schulgruppen erweist sich der direkte biografische Zugang. Statt abstrakte Strukturen zu beleuchten, rücken konkrete Lebenswege in den Mittelpunkt. Ein eindringliches Beispiel liefert das Schicksal der vier Potsdamer Jugendlichen Klaus Tauer, Klaus Eylert, Joachim Douglas und Hermann Schlüter. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte die Schüler im Januar 1946 aufgrund von bloßen Verdächtigungen zum Tode. Drei quälende Monate bangten die Jungen in genau diesen Zellen der Leistikowstraße auf engstem Raum um ihr Leben und hofften auf ein Wunder bei ihrem Gnadengesuch. Anhand solcher gnadenlosen Realitäten begreifen Teenager sofort, dass hinter Vokabeln wie „Geheimdienst“ oder „Besatzungszeit“ zerstörte Träume sowie extreme Ängste stehen. Die Dokumentation verdeutlicht die Isolation, den psychischen Druck der Verhöre und die fatalen Folgen der Urteile für die Angehörigen. Gerade weil der Ort nüchtern bleibt, entsteht echte Betroffenheit nicht durch künstliche Effekte, sondern durch tiefes inhaltliches Verständnis.

Mehrwert für Unterricht, Eltern und Gruppendynamik

Didaktisch bietet die Gedenkstätte vielseitige Anknüpfungspunkte: an die Nachkriegsordnung und den Kalten Krieg, an die Frage nach Menschenrechten, an Mechanismen von Denunziation und Verdächtigung, aber auch an das weite Feld der Erinnerungskultur. Für Eltern erweist sich oft als entscheidend, dass es hier nicht um Grusel geht, sondern um verantwortungsvolle historische Bildung. Der Besuch zeigt anschaulich, warum demokratische Verfahren, unabhängige Gerichte und freie Information keine graue Theorie sind, sondern überlebenswichtige Schutzräume.

Aus der Praxis bewährt sich eine kurze Vorbereitung: ein gemeinsamer Blick auf Begriffe wie Untersuchungshaft, Tribunal und Geheimdienst, plus klare Erwartungen an Verhalten und respektvollen Umgang. In der Nachbereitung funktionieren kleine Formate gut, die völlig ohne Pathos auskommen: ein Reflexionsblatt mit drei Leitfragen, ein kurzes Gruppenprotokoll zu den historischen Spuren im Gebäude oder eine Diskussion darüber, wie Staaten mit solchen Orten umgehen sollten. So nehmen Ihre Schülerinnen und Schüler wesentlich mehr mit als einen flüchtigen Eindruck, nämlich Sprache und Kategorien, um über Unfreiheit, Verantwortung und Zivilcourage zu sprechen. Community: 0 Bewertungen
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