Beispielbild © pixabay.com
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Das Haus der AlltagsGeschichte in Wittenberg

Eine Reise durch das 20. Jahrhundert erleben

Der Geschichtsunterricht ist für viele Kinder fest mit der Schulzeit verbunden. Doch was ist Geschichte eigentlich? Für den einen mögen sich hinter diesem Begriff die Schlösser und Burgen des Mittelalters verbergen. Andere assoziieren damit die einschneidenden Momente der Welthistorie. Aber Geschichte kann sich auch im kleinen Rahmen abspielen: im Wohnzimmer einzelner Menschen, in der Kneipe eines Dorfes oder bei Gesprächen zwischen den Warenregalen eines Einkaufsladens. Genau hier knüpft die Dauerausstellung des Hauses der AlltagsGeschichte in Wittenberg an.

Das 20. Jahrhundert in 20 Räumen

Auch auf die Frage, wie Geschichte dem einzelnen Betrachter nähergebracht – und damit Kindern und Jugendlichen anschaulich erläutert – werden kann, wird es mehrere Antworten geben. Vom Erlebnispark mit historischen Inhalten bis hin zum Museum mit seinen gefüllten Schaukästen haben sich mehrere pädagogische Konzepte etabliert. Das Haus der AlltagsGeschichte in Wittenberg beschreitet dagegen andere Wege. Denn hier wird jedem verfügbaren Zimmer ein eigenes Thema zugewiesen. Dabei können die Besucher unterschiedliche Welten betreten. Einige von ihnen werden sie vielleicht kennen, andere werden gänzlich neu für sie sein.

Das im späten 19. Jahrhundert errichtete Gebäude beherbergte in früheren Zeiten übrigens einen Kindergarten – die Wissensvermittlung gehört hier also selbst zur Geschichte der altehrwürdigen Mauern. Neugestaltet wurden in den 1990er Jahren genau 20 Zimmer, die einen Überblick über das gesamte 20. Jahrhundert bieten sollen. Von der Küche im Stil der 1920er Jahre geht es in das Wohnzimmer der 1930er Jahre. Auch die Epoche der Nachkriegszeit und der Flüchtlingsströme wird nicht ausgeblendet. Zwischen den 1950er und 1980er Jahren findet eine Gegenüberstellung der Wohnverhältnisse in Ost- und Westdeutschland statt, ehe der historische Exkurs nach der deutsch-deutschen Wende in den 1990er Jahren endet.

Vom Privatbereich zum öffentlichen Raum

Interessant dabei ist, dass die 20 Zimmer nicht nur einen Blick in die individuellen Wohn- und Lebensverhältnisse einzelner Menschen ermöglichen sollen. Sondern dass von der Dorfkneipe über einen Einkaufskonsum bis hin zum Klassenzimmer auch öffentliche Bereiche dargestellt werden. Die Dekoration und das sonstige Zubehör – wie etwa Kleidung, zeitaktuelle Medien oder Lebensmittelverpackungen – entstammen zum ganz überwiegenden Teil genau jener Epoche, die repräsentiert wird. In mühevoller Kleinarbeit und dank der Unterstützung zahlreicher Spender konnten viele Originalreliquien gesammelt und ausgestellt werden.

Trotz des Vergleichs zwischen Ost- und Westdeutschland, der sich wie ein roter Faden durch die Dauerausstellung zieht, liegt der Fokus der 20 Zimmer im Haus der Alltagsgeschichte auf den Jahren zwischen 1949 und 1989 in der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Auch unangenehme Themen bleiben dort nicht unerwähnt. Zu ihnen gehören etwa der Mangel an vielen Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, die Spitzeltätigkeiten nahestehender Mitmenschen oder die gezielte Unterdrückung politischer Gegner der Deutschen Demokratischen Republik. Nicht alle hier gezeigten Inhalte sind also leicht zu verdauen. Gerne kann im Rahmen einer begleiteten Führung eine Erklärung der Exponate erfolgen.

Eintauchen in den Alltag früherer Epochen

Ohnehin steht im Haus der AlltagsGeschichte in Wittenberg die Vermittlung des Wissens im Vordergrund. Auf einer Gesamtfläche von 400 Quadratmetern geht es nicht darum, den Besuchern lediglich die 20 unterschiedlich gestalteten Zimmer zu zeigen. Vielmehr sollen moderne Medien wie Bild-, Ton- und Videodokumente dabei helfen, den damaligen Jahren ein Stück näherzukommen und sich vielleicht sogar in manche persönliche Lage hineinversetzen zu können, die seinerzeit das Leben vieler Millionen Menschen prägte. Und wo das nicht ausreicht, helfen die pädagogischen Erläuterungen der Angestellten des Museums weiter.

Wem selbst das nicht genügt, dem sei das im Haus befindliche Archiv empfohlen. Hier lassen sich in Wort und Bild tausende Tatsachenberichte von Augenzeugen finden, die eines oder mehrere der dargestellten Jahrzehnte erlebt haben. Ob Kriegsende oder Mauerfall – häufig sind es gerade die Einzelschicksale, die den Besuchern besonders lange im Gedächtnis bleiben. Geschichte reift hier von einem abstrakten Begriff zu greifbaren Erlebnissen. Die Entdeckungsreise durch das 20. Jahrhundert findet nicht im Unterrichtsbuch statt – sondern in 20 Räumen, die den damaligen Lebensverhältnissen authentisch nachempfunden wurden. Community: 0 Bewertungen
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