Dorfkirche Hohen Viecheln in Mecklenburg-Vorpommern

An der nördlichen Spitze des Schweriner Sees befindet sich eine von der Landwirtschaft geprägte romantische Region Mecklenburg-Vorpommerns und ein interessantes Dorf: Hohen Viecheln! Wer diesen kleinen Ort auf der Landkarte sucht, der muss schon genau hinschauen, denn dort leben kaum mehr als 650 Menschen auf einer Fläche von knapp 19 Quadratkilometern. Geschichtlich trat Hohen Viecheln nur zweimal in Erscheinung: Als Fundort von Material der sogenannten Maglemose-Kultur aus einer Periode, die bis 9000 vor Christi Geburt zurückreicht. Doch viel später, in der Zeit der frühen Gotik, entstand in Hohen Viecheln ein eindrucksvolles Gotteshaus. Die dortige Dorfkirche steht unter strengem Denkmalschutz und ist ein attraktives Ziel für eine Klassenfahrt oder eine Schulreise.

Das Versprechen eines Kreuzritters

Bereits um das Jahr 1178 gab es hier ein Kirchspiel. Aus alten Dokumenten geht hervor, dass es in Hohen Viecheln einen Priester namens Simon gab, der das Christentum am Schweriner See verbreitete. Und dann gibt es da noch die Legende vom Ritter Helmold von Plesse, der einem edelfreien mecklenburg-holsteinischen Adelsgeschlecht entstammte und ein militärischer Führer Heinrichs des Löwen war. Er machte sich als Heerführer in einem Feldzug gegen die heidnischen Wenden verdient und erhielt als Dank die Verwaltungshoheit über umfangreiche Ländereien. Als von der lateinischen Kirche sanktionierter Kreuzritter zog es ihn nach Jerusalem und er soll einer Sage zufolge nach der Rückkehr seiner Frau versprochen haben, eine Reihe von Kirchen in Mecklenburg zu bauen. Eine von ihnen ist die Dorfkirche in Hohen Viecheln. Hier fand besagter Ritter im Jahr 1186 auch seine letzte Ruhestätte.

Verwahrlosung im Dreißigjährigen Krieg

Angesichts der geringen Größe Hohen Viechelns hat diese Dorfkirche erstaunliche Ausmaße, denn der dreischiffige Bau aus Backstein weist einen Grundriss von immerhin 33 Metern Länge und zwölf Metern Breite auf. Das Gotteshaus entstand in seiner heutigen Form vermutlich im frühen 14. Jahrhundert. Hohen Viecheln erhielt seinen jetzigen Namen erst im 18. Jahrhundert, um sich von dem Nachbarort Neu Viecheln zu unterscheiden. Für die ländliche Region am Schweriner See hat die Dorfkirche eine große Bedeutung und ist immer wieder das Ziel von Besuchergruppen. Nach der Verwahrlosung des Gotteshauses im Dreißigjährigen Krieg bedurfte es intensiver Restaurierungen, da zahlreiche Glasfenster und sechs Glocken zerstört wurden. Im Jahr 1679 erhielt die Dorfkirche schließlich einen hölzernen Turm mit neuen Glocken.

Taucher bargen die historische Glocke

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Glocken zu einem Depot nach Hamburg gebracht, wo sie bei einem Luftangriff in ein benachbartes Hafenbecken geschleudert wurden. Taucher bargen später eine der historischen Glocken und transportierten sie zurück nach Hohen Viecheln. Heute versorgt die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde ausschließlich die kleine Gemeinde des Landkreises Nordwestmecklenburg. An den Stifter der Kirche erinnert ein hochgotisches Grabmal mit einer lebensgroßen Holzskulptur. Sie soll Ritter Helmold von Plesse darstellen. Vermutlich war sie im frühen 14. Jahrhundert ursprünglich als Liegefigur für sein Grab angefertigt. Sie ist nach der Grabfigur der Königin Margarete im Münster von Doberan die zweitälteste profane Plastik Mecklenburgs. Ein weiteres historisches Zeugnis ist die hölzerne Madonna aus der Zeit um 1310.

Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert

In der Vorhalle befindet sich eine spätgotische Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert. Der Altar an der Südwand der Kirche wird der Renaissance zugeschrieben und zeigt Abendmahl, Kreuzigung und die Auferstehung. Die Orgel aus der westlichen Empore stammt aus der Werkstatt des bekannten Orgelbauers Friedrich Wilhelm Winzer. Beachtenswert ist auch die Kanzel der Dorfkirche Hohen Viecheln. Sie wurde im 16. Jahrhundert angefertigt und wird von den Figuren der Heiligen Katharina und der Mondsichelmadonna flankiert. Das aus Granit geschaffene Taufbecken ist ebenfalls von historischer Bedeutung und wird der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zugeschrieben. Das gesamte Bauwerk zählt zweifellos zu den Sehenswürdigkeiten einer Reise nach Mecklenburg-Vorpommern. Community: 0 Bewertungen
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