Die niederländische Basilika mit dem auffälligen Turm besticht durch interessante Details

Sint Willibrordusbasiliek ist eine sehenswerte römisch-katholische Kirche in Hulst, einer Stadt in der niederländischen Provinz Zeeland. Der heutige Bau im Stil der Brabanter Gotik wurde zwischen 1481 und 1535 errichtet, nachdem die ursprüngliche romanische Kirche im Jahr 1468 völlig ausgebrannt war. In für flämische Kirchenarchitektur typischer Bauweise sind die Gebäudeteile der Willibrord Basilika in Form eines lateinischen Kreuzes um den Kirchturm gruppiert. Die Fassade ist vollständig mit Lederstein verkleidet. Eine leicht nach Osten geneigte Sonnenuhr befindet sich an der Wand des südlichen Seitenschiffs. Obwohl es sich um eine eher kleine Stadtbasilika handelt, beeindruckt das Bauwerk durch seinen bemerkenswerten Turm. Vor allem dessen Spitze unterscheidet sich auffallend vom Rest der Kirche. Die Kanzel im Inneren der Basilika ist reich geschnitzt und die historische Orgel weist ein Gehäuse mit bemalten Türen auf. Besonders die künstlerisch wertvollen Buntglasfenster sind sehenswert. In der Westfassade stellt ein Fenster das Jüngste Gericht dar. Darüber hinaus befinden sich in der Kirche einige schöne Gemälde.

Eine kleine Stadtbasilika mit einer ungewöhnlichen Geschichte

Geweiht ist sie dem Heiligen Willibrord. Der angelsächsische Missionar lebte von ca. 658 bis 739 und wird auch der Apostel der Friesen genannt. Er wurde der erste Bischof von Utrecht. Gestorben ist er am 7. November 739 in Echternach in Luxemburg. In einer Nische an der westlichen Fassade steht eine Statue von Willibrord, der einen vergoldeten Kirchturm in Händen hält. Mit dieser seltsam anmutenden Darstellung hat es eine besondere Bewandtnis.

Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt der eigenwillige Turm seinem traurigen Schicksal in der Vergangenheit. Mehrfach zerstörten ihn und vor allem seine Spitze Feuersbrünste und Blitzeinschläge. Der ursprüngliche Turm der Kirche stammt aus dem Jahr 1200. Im Laufe der Jahrhunderte baute man ihn nach den Zerstörungen und wegen seiner Baufälligkeit einige Male wieder auf. Am 18. September 1944 brannte der Kirchturm schließlich fast vollständig ab. Deutsche Besatzer nutzten den Turm im zweiten Weltkrieg als Beobachtungsposten. Die dort stationierten Soldaten hinterließen eine Inschrift auf der Glocke: „1940, Gott strafe England“ und eine Swastika. Doch Gott strafte bekanntermaßen nicht England. Das erste Regiment der polnischen Panzerdivision, das von Osten nach Zeeland vordrang, wollte diesen strategischen Posten der Deutschen unbrauchbar machen. Durch den Beschuss mit siebzig Granaten brannte der Kirchturm schließlich ab. Hulst wurde am darauffolgenden Tag befreit.

1957 gewann der Architekt Jan Brouwer eine Ausschreibung für die Neugestaltung des zerstörten Turmes. Die heutige Turmspitze wurde nach seinem Entwurf aus Spannbeton gefertigt. Acht Säulen, die aussehen wie Stimmgabeln, rahmen die Glocken ein. Vier singende Engel stützen ein Bronzekreuz. Gerüchten nach wollte Brouwer mit seiner Darstellung zum Ausdruck bringen, dass viele Wege zu Gott führen. Wäre diese Intention bekannt gewesen, hätte er wohl nicht gewonnen. Bei dem Modell des goldenen Turmes in der Hand des Heiligen handelt es sich jedenfalls um den Entwurf des Architekten, der den Wettbewerb knapp verloren hat.

Nicht nur der Kirchturm der Willibrord Basilika hat bewegte Zeiten hinter sich. Die ursprünglich als katholische Kirche erbaute Basilika wandelte Friedrich Heinrich, Prinz von Oranien im Achtzigjährigen Krieg in eine protestantische um. Damals gab es lediglich 15 Protestanten, aber 1.700 Katholiken in der Stadt. Später, zur Zeit Napoleons, teilten die beiden Konfessionen sich das Gotteshaus. Zwischen den Katholiken im Chor und den Protestanten im Schiff verlief eine Mauer. Um diesen Zustand zu beenden, sollten die Protestanten sich eine eigene Kirche bauen. Dafür stellten die Katholiken ihnen im Jahr 1929 die gesammelte Summe von 125.000 Gulden zur Verfügung. Zur Belohnung erhob Papst Pius XI. die Kirche 1935 zur Basilika. Community: 0 Bewertungen
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