Sanremo – ligurische Schönheit an der Blumenriviera

Eine Stadt, die alles hat: Küste, Kasino, Kultur. Das ist Sanremo, eine ligurische Schönheit mit internationalem Flair an der italienischen Riviera. Es gibt kaum jemandem, der dem Charme dieses Kurorts nicht erliegt. Zur Zeit der Belle Époque waren es gekrönte Häupter, die Ruhe und Erholung an der Blumenriviera suchten. Darunter Kaiser Friedrich III, die russische Zarin Marija Alexandrowna Romanowa oder Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn. Auch Alfred Nobel, Namensgeber und Stifter des Nobelpreises, verfiel dem Zauber der Küstenstadt. 1891 kaufte er eine Villa in Sanremo. Seinem Faible für Neogotik, Kolonialstil und orientalische Architektur ließ er beim Umbau freien Lauf. Im Untergeschoss seiner Villa ließ er ein Labor einrichten für seine chemische Forschung. Den eigens erbauten Pier am Meeresufer nutzte Nobel für seine ballistischen Forschungen. Viel Zeit war ihm in Sanremo allerdings nicht vergönnt. Er starb1896, nur fünf Jahre, nachdem er sich dort niedergelassen hatte. Das Untergeschoss der Villa ist zum Museum geworden, das sich dem Leben und Werk Nobels widmet. Ein perfektes Ziel für einen Zwischenstopp während einer Klassenfahrt.

Eine Altstadt wie ein Tannenzapfen

Sanremo, besser gesagt La Pigna, entstand im Mittelalter auf einem Hügel. Der älteste Stadtteil fällt durch eine ungewöhnliche Bauweise auf. Übereinander geschichtete Häuser, steile, überdachte Gässchen und kleine Plätze ergeben ein verwirrend verschachteltes Konstrukt. Pigna heißt übersetzt Tannenzapfen. Und genauso wurde das Viertel konzipiert: Häuser, die sich um den Hügel ranken, sodass der Eindruck eines Tannenzapfens entsteht. Eine Architektur mit Methode. Denn dieses verwinkelte Gewirr diente der Verteidigung gegen äußere Feinde. Es waren hauptsächlich Sarazenen und Korsaren, die es auf die kleine Festung abgesehen hatten. Bis ins 16. Jahrhundert hinein mussten die Bewohner ihren Tannenzapfen erweitern und erneuern, um die Feinde in die Flucht zu schlagen. Erkunden lässt sich die Altstadt, auch Kasbah genannt, nur zu Fuß. Autos finden keinen Platz und würden zudem die Häuser gefährden, von denen nicht wenige nur noch durch Stützpfeiler gehalten werden. Von der Via Santo Stefano aus erreicht man das wichtigste religiöse Bauwerk der Stadt, die Wallfahrtskirche Madonna della Costa, aus dem 14. Jahrhundert. Die Religion spielt eine wichtige Rolle in Sanremo. Neben der Wallfahrtskirche gibt es noch sechs weitere Gotteshäuser. Eine recht ansehnliche Zahl für eine Stadt mit knapp 55.000 Einwohnern.

Rückzugsort für adelige Müßiggänger

Während Stille und Natürlichkeit die Altstadt prägen, besticht das moderne Stadtzentrum durch Eleganz, pulsierendes Leben, Flaniermeilen und imposante Jugendstilgebäude. Das bekannteste dürfte das Kasino sein, erbaut 1905. Die adeligen und reichen Müßiggänger, die San Remo zu Beginn des 20. Jahrhunderts als mediterranen Rückzugsort für sich entdeckten, dürften an der Entstehung der Spielbank nicht ganz unschuldig sein. Auch politisch spielte Sanremo eine Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt Tagungsort der alliierten Siegermächte. Auf der berühmten Konferenz von Sanremo wurden Absprachen getroffen, über die Aufteilung des Osmanischen Reichs nach Kriegsende. Für den letzten Sultan des Osmanischen Reiches, Mehmed VI. Vahideddin, wurde Sanremo von 1922 bis 1924 zum Exil.

Musik und Mord

Wie das Eis zu Italien gehört das Sanremo-Festival zu Sanremo. Es ist eines der wichtigsten und berühmtesten Kulturveranstaltungen und wurde 1951 ins Leben gerufen. Es gilt als ältester Musikwettbewerb für Popmusik und gab den Anstoß für die Ausrichtung des Eurovision Song Contest.

Wer eher an einem perfekten Mord interessiert ist, wird in Sanremo auf eine der bekanntesten Figuren in der modernen Kriminalliteratur stoßen. Der Roman „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith, wurde unter dem Titel „Nur die Sonne war Zeuge“ in Sanremo verfilmt. Unvergessen Alain Delon in der Rolle des ebenso skrupellosen wie attraktiven Mörders Tom Ripley.

Sanremo liegt übrigens nur einen Steinwurf vom Nachbarland Frankreich entfernt. In nur 40 Minuten ist man in Menton, in einer Stunde in Nizza.
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