Geschichte zum Anfassen – Der Leanderturm in Istanbul

Wer in Istanbul weilt, kommt um einen Besuch des Leanderturms kaum herum. Der berühmte Leuchtturm ist nicht einfach deshalb automatisch historisch interessant, weil er aus der Antike stammt, sondern weil man an der Art seiner Nutzung und seiner Ausgestaltung im Wandel der Zeiten einen Einblick in die jeweiligen Epochen erhält. Nicht zuletzt ist der Leanderturm aufgrund seiner strategischen Platzierung ein steinerner Zeuge der Beziehungen zwischen Orient und Okzident. Der Bogen spannt sich hier von der Entstehung des Turms in der Antike über Märchen und Legenden, die im Laufe der Zeit mit dem Turm in Verbindung gebracht wurden, bis hin zur Popkultur der Gegenwart.

Die Nutzung des Turms im Wandel der Zeiten

Es wird davon ausgegangen, dass der Leuchtturm um 340 v. Chr. von dem athenischen General Alkibiades auf der Insel errichtet wurde, um den Schiffsverkehr am Bosporus zu kontrollieren. Laut byzantinischen Geschichtsschreibern soll an eben diesem Turm ein Ende der Kette befestigt gewesen sein, die eingesetzt wurde, um Konstantinopel gegen Angriffe von der See her zu verteidigen. Das andere Ende der Kette sei am Mangana-Palast befestigt gewesen. Wie es möglich war, die Kette über Wasser zu halten, wird allerdings nicht berichtet.

Im Verlauf der Geschichte erfüllte der Turm viele unterschiedliche Zwecke. Zur byzantinischen Zeit war er ein Zollhaus, im osmanischen Reich wurde er als Wachturm, Leuchtturm und Funkstation genutzt. Während der Cholera-Epidemie Mitte des 19. Jahrhunderts diente er auch als Krankenhaus und Quarantänestation. Das heutige Aussehen im barocken osmanischen Stil verdankt der Leanderturm einer großen Restaurierung im Jahre 1833. 1995 bis 2000 wurde der Turm erneut umfassend renoviert und beherbergte bis vor kurzem ein Restaurant. Im Jahr 2021 initiierte das türkische Ministerium für Tourismus und Kultur ein Restaurationsprojekt mit dem Titel „Der Leanderturm öffnet wieder seine Augen“. Die Arbeiten dauern zurzeit noch an, aber es wird davon ausgegangen, dass der Turm bald wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Der Turm liegt auf einer kleiner Insel etwa 200 Meter vor der Küste von Üsküdar und kann mit der Fähre zumindest von außen besichtigt werden.

Märchen und Legenden

Der westliche Name Leanderturm geht auf eine antike Sage zurück, die allerdings ursprünglich nicht am Bosporus, sondern in den Dardanellen angesiedelt ist: Der Legende zufolge schwamm Leander nächtlich durch den Hellespont zu Hero, seiner Geliebten. Eines Nachts aber erlosch die Fackel, die ihm immer den Weg gewiesen hatte, und er ertrank im Meer. Als seine Geliebte ihn tot am Ufer fand, stürzte sie sich gleichfalls in die Fluten.

Im Türkischen lautet der Name des Turms „Mädchenturm“. Einer Prinzessin war von einem Wahrsager der Tod durch Gift vorhergesagt worden. Ihr Vater ließ sie daraufhin in einem Turm einsperren. In dem Turm aber wurde sie von einer Giftschlange gebissen, die in einem Korb mit Obst hinein gelangt war. Ähnliche Legenden finden sich an zahlreichen Orten und Inseln, nicht nur in der Türkei.

Eine weitere Legende berichtet von der Liebschaft zweier der berühmtesten Türme Istanbuls, der Galataturm auf der westlichen und der Leanderturm auf der orientalischen Seite. Der Galataturm soll dem Leanderturm mehrere hundert Briefe geschrieben haben, konnte sie jedoch nie absenden. So musste ihre Liebe für immer platonisch bleiben.

Popkultur der Gegenwart

Auch heutigen Märchenerzählern bzw. Autoren und Drehbuchschreibern beschert der Leanderturm noch reichlich Inspiration.

So wurde am Leanderturm das Finale des James-Bond-Films „Die Welt ist nicht genug“ gedreht. Der Turm dient dort Elektra King, Bonds Gegenspielerin, als Versteck.

In der Serie „Game of Thrones“ nutzt Tyrion Lannister eine gigantische Kette, um eine aussichtslos scheinende Seeschlacht noch zu wenden, indem er den feindlichen Schiffen den Weg abschneidet – offensichtlich inspiriert von oben genannter Kette aus antiker Zeit. Community: 0 Bewertungen
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