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Das Freilichtmuseum Speckenbüttel – das bäuerliche Leben im späten Mittelalter erkunden

Die traditionellen Bauernhöfe sterben leider aus. Oder sie werden durch große Betriebe der Landwirtschaft ersetzt. Was genau ein solcher Hof war, wer ihn bewohnte und wie er funktionierte, wissen viele Kinder und Jugendliche daher mittlerweile nicht mehr. Grund genug, das Freilichtmuseum in Bremerhaven zu besuchen. Denn die dort stehenden Gebäude sind bereits mehrere Jahrhunderte alt und künden von einem Leben, das uns heute gänzlich fremd erscheint.

Von der Idee zum Freilichtmuseum

Bauernhöfe waren einst in der Region des heutigen Bremerhavens keine Seltenheit. Viele von ihnen haben die Zeit indes nicht überdauert. Dass dieser hier bestehen bleiben konnte, ist vor allem dem Heimatforscher Dr. Johann Bohls zu verdanken: Er warb im ausgehenden 19. Jahrhundert in der nahen Umgebung für seine Idee, mehr solcher Höfe mitsamt ihren Haupt- und Nebengebäuden sowie ihren Einrichtungsgegenständen und Gebrauchsartikeln für die Nachwelt zu erhalten. Gerade am Anfang der Industrialisierung ein Vorhaben mit Weitsicht, von dem wir heute gern profitieren.

Schnell fingen die Einwohner von Speckenbüttel ab dem Jahre 1908 an, alles Verwertbare zusammenzutragen, was einen historischen Wert hatte. Das konnten etwa Geräte zum Bewirtschaften der Felder, zum Backen von Brot oder zur Haltung und Verarbeitung von Tieren sein. Ein weiteres Augenmerk galt dem bereits bestehenden Hof, dessen Gebäude so umfangreich renoviert und saniert werden mussten, dass sie für die nächsten Generationen – wenn in diesem Falle auch nur aus Besuchern bestehend – bewahrt werden konnten. Immerhin stammten einige der Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Viele von ihnen waren nur mit notdürftigen Mitteln errichtet und nie modernisiert worden.

Zwei Highlights von historischem Wert

Das Freilichtmuseum Speckenbüttel verfügt über zwei Gebäude, die ganz gut erklären, wie ein Hof damals funktionierte. Einerseits ist damit das sogenannte Altenteilerhaus gemeint. In ihm lebten vorwiegend die älteren Bewohner, die aufgrund des Alters kaum mehr in der Lage waren, ihre jüngeren Gemeinschaftsmitglieder bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Da sie aber ihren Lebtag damit verbracht haben, ihre Kraft für das Gedeihen des Hofes einzusetzen, wurde auch im Ruhestand an sie gedacht. Vor 400 bis 500 Jahren war das eine beliebte Form der Altersversorgung.

Andererseits muss das Rauchhaus genannt werden. Seine Besonderheit liegt darin, dass es an den Feuerstellen – also den Herden und Kaminen – keinen festen Rauchfang gab. Der durch das Feuer entstehende Qualm zog daher durch das ganze Haus, ehe er durch das Dach entschwand. Und genau das war gewollt. Denn in den damaligen Zeiten konnten Ersatzteile für die Gebäude nicht einfach gekauft werden. Eine Renovierung fand praktisch nicht statt. Durch den Rauch gelang es aber, das Holz im Haus zu konservieren, indem schädliche Schimmelpilze und anderer Schädlingsbefall in Balken und Brettern auf natürliche Weise bekämpft wurden.

Alles, was zum Leben benötigt wurde

Natürlich verfügt der heute zum Freilichtmuseum umgebaute Hof über mehr Gebäude als die beiden genannten. So finden die Besucher hier etwa eine Moorkate. Bei ihr handelte es sich um einfachste und zumeist aus Ästen, Lehm und Stroh gefertigte Behausungen, die die ersten Siedler auf dem moorigen Land seinerzeit errichteten. Gleichfalls können ein Schafstall, ein Backhaus, eine Windmühle und das Haupthaus – fachlich korrekt als Marschenhaus bezeichnet – sowie mehrere Funktionsbauten erkundet werden. Das Marschenhaus ist allerdings nicht mehr im Original des 17. Jahrhunderts vorhanden, vielmehr müssen die Gäste mit einem modernen Nachbau vorliebnehmen.

Alle Gebäude sind weitgehend zeitgemäß eingerichtet. Vor allem das Marschhaus verfügt über viele Möbel, die aus Holz gefertigt und mit schönen Verzierungen versehen wurden. Deutlich spärlicher ging es dagegen in den Kammern der Mägde und Knechte zu – deren Dasein aus heutiger Sicht keinesfalls zu beneiden war. In den Arbeitsräumen können übrigens noch zahlreiche Werkzeuge und Geräte betrachtet werden, die hier einst das Überleben sicherten. Denn der Zweck des Hofes bestand darin, weitgehend unabhängig von den weit entfernten Städten zu wohnen, zu arbeiten und den eigenen Unterhalt zu erwirtschaften. Community: 0 Bewertungen
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