Das Römermuseum in Nîmes – zwischen Archäologie und virtueller Realität

Es ist schwer, sich ein archäologisches Museum vorzustellen, das auf dem neuesten Stand ist. Das heißt: Die Zeit der verstaubten Vitrinen ist vorbei, das ist jedem klar. Aber auch dort, wo die Vitrinen inzwischen entfernt wurden, muss man sich mit einer anderen Art von Realitätsbezug auseinandersetzen, insbesondere für diejenigen, die im neuen Jahrtausend geboren wurden. Wie können wir eine Geschichte erzählen, einen antiken Gegenstand zeigen, das Leben eines Volkes erforschen, indem wir die gleichen Werkzeuge benutzen, die ein Jugendlicher heute zur Kommunikation mit Gleichaltrigen verwendet?

In Nîmes, in der Region Midi in Frankreich, nur einen Steinwurf von Arles und der Camargue entfernt, ist das gelungen. Wir laden alle ein, das neue Museum der Romanik zu besuchen, um zu sehen, wie sich auch die Archäologie auf neue Weise präsentieren kann. Der Ausgangspunkt für die Franzosen lag nahe am Nullpunkt: In der Stadt gab es ein Museum, das der glorreichen römischen Vergangenheit gewidmet war, aber nur wenige sahen es sich an. Logischerweise gab es nichts, was besonders attraktiv gewesen wäre. Dann kam die zündende Idee: Der ungenutzte Raum vor der großen Arena – eines der am besten erhaltenen römischen Gebäude – sollte in ein neues Museum umgewandelt werden. Mit anderen Worten: Das Museum sollte von Grund auf neu gebaut werden. Von Anfang an. Entwerfen, bauen – alles von Grund auf.

Ein kühnes Projekt

Nîmes hat heute eine bedeutende römische Vergangenheit. Die Stadt hat viele Geschichten zu erzählen. Die Kolonie blühte in der Kaiserzeit auf: Sie war so bedeutend, dass sie möglicherweise nach Augustus benannt wurde oder vielmehr Colonia Augusta Nemausus hieß – wobei Nemaus die lokale Gottheit war, die von den Galliern verehrt wurde, die sich ohne Widerstand von den Römern kolonisieren ließen. Die Stadt lag an der Via Domitia, der Handelsstraße nach Spanien, und war in den ersten Jahrhunderten n. Chr. ein guter Ort zum Leben, wie man an den prächtigen Bauwerken sehen kann, die bis heute erhalten geblieben sind, darunter die Arena und das Haus der Caret sowie der Tempel der Diana. Die Familie von Antoninus Pius (Kaiser von 138 bis 161) stammte aus Nîmes. Kurzum, ein Museum ist notwendig, um zu zeigen, warum die Stadt so wichtig war und wie die Menschen damals lebten.

Wie das Museum gestaltet werden soll, ist allerdings noch offen. Man muss sich nur das im Juni 2018 eröffnete Museum der Römer ansehen, um zu sehen, was die wichtigste Wahl war. Die Arena spiegelt sich in einem großen, schimmernden Behälter, der ganz mit siebbedrucktem Glas bedeckt ist: 7.000 kleine Glasscheiben mit Rissen dazwischen, fast „Augen“, die einen direkten Kontakt zwischen außen und innen, zwischen dem Neuen und dem Alten, zwischen dem Museum und dem Amphitheater ermöglichen. Das bis zu 60 Millionen Euro teure Projekt wurde von der Architektin und Stadtplanerin Elizabeth de Portzamparc entworfen. Manche finden sie wunderbar (wir gehören dazu), andere finden sie zu destruktiv. Nîmes wollte auf jeden Fall kühn sein: Es war nicht so naheliegend, ein so bedeutendes Monument wie die Arena mit zeitgenössischer Architektur zu „bekämpfen“. Es ist nur logisch, dass die Stadt den gleichen kühnen Geist hat.

Der Übergang zwischen Artefakten und Technologie

Auffällig ist zum Beispiel der Eingang. Glas, Stahl, ein Wirrwarr von Treppen und Formen, die aufeinander folgen, lassen einen mit offenem Mund und kurzzeitig verwirrt zurück. Aber dann muss man nur noch der genauen Wegbeschreibung und der Karte folgen, die am Eingang ausgehändigt wird, um alles zu entwirren. Und man kann leicht in die Geschichte der Stadt eintauchen, zunächst in die vorrömische Zeit, dann in das goldene Zeitalter Roms: Denn alles ist gut ausbalanciert, die Funde und Gegenstände sind mit Modellen, Videos, realen und virtuellen Rekonstruktionen durchsetzt. Insgesamt 5.000 Objekte werden dem Publikum gezeigt und es gibt 65 interaktive Stationen: Es besteht weder die Gefahr von Langeweile noch von einem „Museum nur für Experten“. Es gibt ein Lern- und Vergnügungsniveau für alle Altersgruppen, selbst für die Kleinsten (wir sehen Kinder, die von einem Raum zum anderen rennen, um die Lösungen für die Rätsel zu finden, die in einem für sie vorbereiteten Spielheft veröffentlicht sind).

Hier einige Beispiele:
Vorrömische Zeit: schöne und faszinierende Büsten von gallischen Kriegern mit einem besonderen Helm, der fast eine Kapuze ist (5. Jahrhundert v. Chr.). Wenige Exemplare, gut beleuchtet, auf geeigneten Sockeln, mit einfachen und genauen Inschriften. Daneben ist eine Rekonstruktion der damaligen Wohnräume zu sehen, in denen die Menschen damals gelebt haben sollen. Daneben befindet sich eine interaktive Ausstellung mit der gleichen 3D-Rekonstruktion, durch die der Benutzer navigieren kann. Der Übergang zwischen Artefakten und Technologie, real und virtuell, ist einfach und fließend.

Oder:
Römische Epoche: prächtige Mosaike, die in der Stadt entdeckt und hierher gebracht wurden. Das Bodenmosaik des Pentheus (2. Jh. n. Chr.), das bei Ausgrabungen auf einem Parkplatz entdeckt wurde, scheint gestern von den geschickten Händen der Künstler geschaffen worden zu sein: Vögel und Menschen scheinen zwischen den geometrischen Mustern zu „sprechen“. Daneben, an der Wand, ist die virtuelle Rekonstruktion der bemalten Wand über dem Mosaik zu sehen. Daneben kann man dank einer 3D-Rekonstruktion, in der man Räume, Säle und Gärten durchläuft, das Haus des Mosaiks virtuell betreten.

Und so weiter, auf dem ganzen Museumsweg, zwischen Objekten zum Anfassen (wie oft wird die taktile Physik in Museen vergessen) und Meisterwerken zum Bewundern. Urnen, Vasen, Giebel, Modelle der berühmtesten Denkmäler. Die berühmte Münze mit dem Krokodil und der Palme, dem Symbol der Stadt. Sie können sogar Ihr Spiegelbild im Totem sehen, wo Ihr Abbild in römische Kostüme und Frisuren „gekleidet“ ist. Community: 0 Bewertungen
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