Der Wald der Dolmen „Halskov Venge“ auf der Insel Falster in Dänemark

Nur an wenigen Orten der Welt gibt so viele Steinzeitgräber wie im Osten Falsters


Das ca. 29 Hektar große Waldgebiet „Halskov Vaenge“ (Koppelweide von Halskov) liegt in der Nähe des Ortsteils Bregninge der Kirchspielsgemeinde Horbelev Sogn (Guldborgsund Kommune) im Osten der gut 500 km² großen Insel Falster (Region Sjælland) im Süden Dänemarks. Überregional und international bekannt geworden ist das hauptsächlich von Linden und Eichen bewachsene Gelände durch seine zahlreichen prähistorischen Dolmen und Grabhügel aus der Jungstein- und Bronzezeit. Die insgesamt knapp 80, bis zu 5.500 Jahre alten Anlagen sind in dieser Konzentration auf engem Raum auch für das an Großstein- und Hünengräbern sowie Megalithen wahrlich nicht arme Dänemark außergewöhnlich. Archäologische Funde zeigen, dass hier bereits zu Zeiten der beginnenden Sesshaftigkeit in der Steinzeit vor 6.000 Jahren dauerhaft Bauern siedelten, welche den sandigen Boden der Gegend für erste primitive Landwirtschaft, die damals noch deutlich größeren Wälder für die Jagd sowie das nahe Meer für Fischerei nutzten.

Glückliche Umstände verhinderten, dass die Gräber als Baumaterial endeten


Anders als im Binnenland der Insel wurden die Wälder an der Küste jedoch im Lauf der Jahrhunderte nicht vollständig gerodet, sondern blieben vielmehr bis zum 14. Jahrhundert, nicht zuletzt als bis zu ca. fünf Kilometer breiter Schutzgürtel gegen Überfälle von Piraten und Seeräubern großflächig erhalten. Auch als das zu dieser Zeit langsam einsetzende Bevölkerungswachstum für partielle Rodungen der Küstenwälder sorgte und die neuen Dörfer wie Bønnet, Halskov und Skjoldtrup gegründet wurden, achteten deren Bewohner bei der Urbarmachung alleine schon aus Gründen der Arbeitsersparnis und des Aberglaubens darauf, den so gut wie nicht zu bewegenden und auch leicht unheimlichen „Riesenhügeln“ möglichst nicht zu nahe zu kommen. Als Falster dann im Lauf des Mittelalters zum Krongut und Jagdrevier sowie ab dem 17. Jahrhundert zum „Witwengut“ der dänischen Königin Sophie von Mecklenburg-Güstrow (1557-1631) wurde, schützte diese die verbleibenden Waldbestände im Osten des Eilands vor weiterer Abholzung, um sie somit als Quelle für Bau- und Brennholz sowie Tierfutter (Bucheckern) wirtschaftlich nutzen zu können. Glücklicherweise wurde das Waldgebiet „Halskov Vaenge“ auch durch die Privatisierung und Aufteilung der Insel in Landgüter ab 1760 nicht zerstört, da der Industrielle J. F. Classen als Eigentümer des Gutes Corselitze beschloss, das auf seinem Besitz befindliche Areal als Naturschutzgebiet zu schonen.

Den Naturgewalten getrotzt


Während die Steine der Dolmen, Grabhügel, Megalithen und Thingstätten außerhalb des Waldes im 18. und 19. Jahrhundert fast überall auf Falster für Landwirtschaftsflächen Platz machen mussten und anschließend für den Brücken- und Straßenbau verwendet wurden, blieben die Kulturdenkmäler des „Halskov Vaenge“ für die Nachwelt erhalten. Auch das mit der Romantik im frühen 19. Jahrhundert erwachende Interesse des Bürgertums an Mystik und „heidnischem“ Brauchtum machte die prähistorischen Riesengrabhügel zum viel besuchten Ausflugsziel von Landpartien. Sogar der berühmte dänische Dichter und Schriftsteller Hans Christian Andersen (1805-1875) besuchte das „Lustwäldchen“ im Sommer 1850 und zeigte sich angesichts der zauberhaften Atmosphäre des Ortes nachhaltig begeistert. Im 20. Jahrhundert litt der Wald jedoch weniger durch menschliche Aktivitäten, als vielmehr durch diejenige der Elemente. 1967 wurden „Halskov Vænge“ und die umliegenden Corselitzer Wälder gleich zwei Mal von schweren Stürmen heimgesucht, welche zahlreiche Bäume entwurzelten. Nach umfangreichen Aufräumarbeiten und neuen Bepflanzungen mit Tannen und Winterlinden wurde der Wald vom dänischen Staat gekauft und im Jahr 1974 zum offiziellen Naturschutzgebiet erklärt. Zur Vermeidung übermäßigen Wachstums von Gebüsch auf den größtenteils restaurierten Grabhügeln weiden auf dem Gelände Tiere der nordischen Schafrasse „Gutefår“. Der heutige Park an der Straße von Bregninge nach Halskov und Mellemskov empfängt Besucher mit einem kleinen Museum samt dem anschaulichen Schnittmodell eines Hügelgrabes.
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