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Sagrada Família in Barcelona


kulturelle Erneuerung

Status und Stellung der berühmten katalanischen Hauptstadt sowie mit aktuell über 1,6 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Barcelona im Königreich Spanien sind schon seit der Belagerung und Eroberung durch den ersten Bourbonenkönig Philipp V. von Anjou im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges 1705 tendenziell besonders bis kompliziert. Die Stadt wurde für ihre Parteinahme für Habsburg im vorangegangenen Konflikt hart bestraft. Die bis dahin weitgehende katalanische Selbstverwaltung wurde vollständig beendet. Sowohl die meisten Bürger Barcelonas als auch Kataloniens haben sich seither nie ganz mit der militärisch erzwungenen Einverleibung in den spanischen Staat abgefunden. Historische Zeugnisse dessen sind die zahlreichen blutigen und erbittert geführten Aufstände gegen die Zentralmacht in Madrid im 19. Jahrhundert sowie der Bürgerkrieg von 1936 und 1939. In diesem blieb die Stadt fast bis zum Ende eine der letzten Bastionen der demokratisch gewählten republikanischen Regierung. Da die Möglichkeiten zur politischen und insbesondere separatistischen Betätigung äußerst begrenzt bis nahezu nicht vorhanden waren, entstand ab ca. 1885 die kulturell-soziale Erneuerungsbewegung des „Modernisme Català“ als eine Art kreativ-künstlerisches Ventil.

Genial oder verrückt?

Der Haupt- und wohl auch weltweit bekannteste Vertreter des sich gleichermaßen in den Bereichen Architektur und Kunst sowie Literatur und Musik damals sehr facettenreich und vielseitig manifestierenden sowie bis etwa bis zum Jahr 1920 andauernden „Katalanischen Modernismus“ war der heute global renommierte Architekt Antoni Gaudí i Cornet (1852-1926). Zunächst deutete bei dem Sohn eines Kupferschmieds und schon früh an Rheuma leidenden sowie unauffälligen und stillen, jedoch zeichnerisch begabten Schüler nur wenig auf seine spätere Karriere hin. Sogar nach dem Abschluss seines Architekturstudiums in Barcelona 1878 war sich ein Schuldirektor nicht sicher, ob es sich bei Antoni Gaudí um ein Genie oder einen Verrückten handele. Kurze Zeit später wies der bald frenetisch gefeierte Erbauer zahlreicher bedeutender Bauwerke vor allem in Barcelona Kritiker und Skeptiker jedoch in ihre Grenzen. Er schuf mit der Casa Vicens im Stadtteil Gràcia sowie der Villa Quijano in Comillas bei Santander in Kantabrien in den Jahren 1883 bis 1885 seine ersten epochemachenden Werke.

Der mutige Architekt prägte die ausgefallene Kirche

Untrennbar verbunden und mitunter schon synonym verwendet wird sein Name jedoch mit der schon 1882 begonnenen, aber bis heute noch nicht vollendeten römisch-katholischen „Basílica i Temple Expiatori de la Sagrada Família“ an der Carrer de Mallorca im zweiten, zentralen und für zahlreiche Bauwerke aus der Zeit des Modernisme bekannten Stadtteil Eixample. Gaudí übernahm die Leitung über die bereits damals stagnierende und heute wohl im Rahmen einer Klassenfahrt, Schulfahrt oder Studienreise meistbesuchte Baustelle der Welt im März 1883 und widmete sich dieser nahezu exklusiv bis zu einem Tod im Jahr 1926. Während Gaudí die bereits begonnene Krypta mehr oder weniger nach den Plänen seiner Vorgänger bis 1889 fertigstellte, präsentierte er schon 1885 ein von Gotik geprägtes Gesamtkonzept mit anderthalb Dutzend filigranen Türmen, naturalistischen Wasserspeiern sowie für seine charakteristische Handschrift typischen Fialenspitzen (Turmaufsätzen). Mit großzügigen privaten Spenden ausgestattet, erweiterte der als eigenwillig und exzentrisch geltende Architekt seine Entwürfe immer wieder, änderte bestehende Pläne von Grund auf und antwortete auf Fragen nach einer Fertigstellung der „Sagrada Família“ ausweichend.

Die ewige Baustelle

Nachdem Gaudí im Juni 1926 unter tragischen Umständen bei einem Unfall ums Leben kam und unter großer Beteiligung der Bevölkerung Barcelonas in der Krypta der Kirche bestattet wurde, stellten seine ungewöhnlichen und teils unverständlichen Aufzeichnungen seine Nachfolger vor Probleme. Die Wirren des spanischen Bürgerkriegs verhinderten den Weiterbau. Erst 1950 wurde der Bau fortgesetzt, jedoch nach wie vor nicht vollendet. Im Jahr 1976 wurden nach heftigen Diskussionen über Sinn bzw. Unsinn des Baus vier der ursprünglich 18 geplanten Türme endlich fertiggestellt. Die Kritik an der Kirche und vor allem ihrer intensiven touristischen Vermarktung verstummte jedoch nie. 2005 nahm die UNESCO den Bau in das Weltkulturerbe auf. 2010 wurde die Sagrada Família durch den damaligen Papst Benedikt XVI. geweiht und zur päpstlichen Basilica minor ernannt. Erst im Jahr 2016 wurde bekannt, dass nie eine Baugenehmigung beantragt worden war. Diese wurde schließlich nachträglich 2019 bis zur nun endgültig geplanten Fertigstellung zum hundertsten Todesjahr Gaudís 2026 erteilt. Heute zählt die imposante Kirche mit über zwei Millionen Besuchern pro Jahr zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Barcelona und Spanien. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, sollten sich Gruppen und Teilnehmer einer Klassenfahrt, Schulfahrt oder Studienreise die Eintrittskarten möglichst rechtzeitig vor dem Besuch im Internet buchen.
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