Gedenkstätte Bautzen/ehemalige Sonderhaftanstalt Bautzen II

Gedenkstaette
Gedenkstaette


Die Gedenkstätte Bautzen der Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist als Ziel einer Studienreise oder einer Klassenfahrt für Schüler und Schülerinnen höherer Jahrgänge perfekt geeignet. Im ehemaligen „Stasi-Knast“ kann das im Geschichtsunterricht zu behandelnde Thema Gewaltherrschaft direkt am Ort des Geschehens hautnah erlebt werden.


Das Gelbe Elend/Bautzen I


Nachdem das am Stadtrand gelegene Gefängnis Bautzen I von der Eröffnung 1904 bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zunächst ein normales und sogar äußerst modernes Gefängnis für reguläre Straftäter war, diente es danach der NS Diktatur. Nach dem Krieg begann sofort die Zeit der sowjetischen Besatzung und von 1945 bis 1956 wurden dort im sowjetischen „Speziallager Bautzen“ zunächst Nazi-Funktionäre und später vor allem politische Gegner inhaftiert. Diese wurden in der Regel der Spionage oder der „antisowjetischen Propaganda“ beschuldigt. Die Gebäude waren im Allgemeinen total überfüllt und die Lebensbedingungen sehr schlecht, da die Besatzungsmacht auf Abschreckung in der Bevölkerung setzte. Ca. 3000 Häftlinge starben und wurden in ehemaligen Schützengräben auf dem „Karnickelberg“ nahe des Gefängnisses verscharrt. Bautzen I war ab 1945 allgemein unter dem Namen „Gelbes Elend“ verschrien und gefürchtet. Nach dem Ende dieser Phase wurde das Gefängnis dann nicht von der Justiz, sondern wie in der DDR allgemein üblich, von der Deutschen Volkspolizei übernommen.
Heute wird das Gefängnis Bautzen I als „Justizvollzuganstalt Bautzen“ weiter für den Strafvollzug genutzt.


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Der Stasi Knast/Bautzen II

Das innerstädtisch gelegene Gefängnis Bautzen II wurde 1906 als Gerichts- und Untersuchungsgefängnis eröffnet. In der Zeit von 1956 bis 1989 diente es als Sonderhaftanstalt unter MfS-Kontrolle („Mielkes Privatknast“). Hier inhaftierte die Stasi Regimekritiker, gefasste Republikflüchtige, Kriegsverbrecher, Spione, Fluchthelfer, straffällig gewordene MfS-Bedienstete und andere westliche Ausländer, die z. B. wegen Verkehrs- oder Drogendelikten etc. in der DDR verurteilt worden waren.

Bautzen II wurde im Jahr 1992 als Gefängnis geschlossen und ist seit 1994 als Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewaltherrschaft öffentlich zugänglich.

Ausstellungen


Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1990 von ehemaligen politischen Häftlingen das sogenannte „Bautzen-Komitee“ gegründet. Dessen inzwischen verwirklichten Ziele waren die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Gräberfeld „Karnickelberg“ neben dem Gefängnis Bautzen I und die Erhaltung des Gefängnisses Bautzen II als Ort der Erinnerung.

Besucher der Gedenkstätte Bautzen haben die Möglichkeit, sich in drei Ausstellungsräumen über die Historie der Bautzener Haftanstalten in drei unterschiedlichen Perioden zu informieren. Die betrifft die Zeit des Nationalsozialismus in den Haftanstalten Bautzen I und II, das sowjetische Speziallager im Gefängnis Bautzen I und die Stasi-Sonderhaftanstalt im Gefängnis Bautzen II. Die Vermittlung erfolgt durch Biografien, Originaldokumente, Fotos und Filmausschnitte. Regelmäßig werden auch Wechselausstellungen zu unterschiedlichen Themen präsentiert. Gerade für die jungen TeilnehmerInnen auf einer Schulfahrt ist meist der Rundgang über das Gelände äußerst interessant und beeindruckend. Besonders die Höfe für den Freigang, die Gefangenentransporter, die Arrestzellen und die Isolationsstation machen die unmenschliche Behandlung der Gefangenen deutlich, die teilweise jahrelang ohne Kontakt zur Außenwelt einsaßen.

Teilnahme an Schülerprojekten


Bei Interesse können die Gruppen auf einer Studienreise nach Voranmeldung auch an verschiedenen Schülerprojekten teilnehmen und sich so noch eingehender mit dem Thema von Gewaltherrschaften auseinandersetzen. Im Haus gibt es ein umfangreiches Archiv und eine Bibliothek für tiefer gehende Recherchen. Außerdem finden immer wieder Veranstaltungen, wie zum Beispiel Film- und Theatervorführungen, Podiumsdiskussionen und Buchpräsentationen statt, die auf einer Schulfahrt ebenfalls besucht werden können. Vielbeachtet von der Öffentlichkeit war unter anderem ein Konzert des Liedermachers und Regimekritikers Wolf Biermann, der 1976 aus der DDR ausgebürgert worden war.

Wer die Gedenkstätte Bautzen im Rahmen einer Klassenfahrt besucht, kann sicher sein, dass die Schülerinnen und Schüler einen ausgezeichneten Einblick in die damaligen Bedingungen erhalten. Diese Exkursion ist eine ideale Ergänzung zum Lehrstoff im Geschichtsunterricht.


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