
Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen
Eine der schönsten und hochwertigsten Kunstsammlungen Deutschlands beherbergt das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen in der prächtigen Villa Cassalette. Der Schwerpunkt der Dauerausstellung liegt auf einer Sammlung kostbarer mittelalterlicher Skulpturen, die in der Zeit zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert entstanden. Weitere Schätze sind die Gemälde der Barockmalerei, eine Sammlung attischer Vasen, edle Goldschmiedearbeiten, kunstvolle Glas- und Tafelmalereien und die Werke der Alten Meister und Repräsentanten der Klassischen Moderne.Geschichte der Villa Cassalette und die Entstehung des Museums
Im Jahr 1877 planten die Aachener Bürger den Bau eines städtischen Kunstmuseums und erhielten fünf Jahre später eine wertvolle Schenkung von etwa hundert Gemälden durch den Kunstmäzen und Bankier Barthold Suermondt, nach dem das Museum benannt wurde. Durch Ankäufe und weitere Schenkungen wuchs die Sammlung und benötigte bald ein repräsentativeres Gebäude. Die Stadt Aachen kaufte bei einer Versteigerung das Stadtpalais Villa Cassalette, ein Bauwerk der Neorenaissance, das vom Architekten Eduard Linse für den Kratzenfabrikanten Eduard Cassalette 1888 nach venezianischem Vorbild erbaut wurde.Das Palais war bis zum Tod Casselettes ein luxuriöses Wohnhaus und besitzt auch heute noch die einstige prachtvolle Kutscheneinfahrt und den Festsaal mit Deckenmalerei. Dazu weisen die Säle Stuckkassetten an den Decken, Goldtapeten an den Wänden, reiche Dekorationen und römische Wandmalereien auf, die im pompejanischen Stil kreiert wurden. 1901 kam ein zweigeschossiger Anbau hinzu, der sich am historischen Baubestand orientierte. Eine Modernisierung des Altbaus und eine Erweiterung fanden 1994 statt. Langjährige Förderer waren auch Irene und Peter Ludwig, die 1977 rund 150 Gemälde und Sammlerstücke beisteuerten.
Die Dauerausstellung im Erdgeschoss
Im Erdgeschoss der Villa Cassalette befinden sich die Skulpturenräume, in denen Sie unter anderem eine hoheitsvolle französische Kathedralplastik, verschiedene Mariendarstellungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und dramatisch eindrucksvolle Werke verschiedener mittelalterlicher Künstler besichtigen können. Die hinteren Räume zeigen deutsche und alpenländische Plastiken, zwei vollständig erhaltene Altarretabel, einen schwäbischen Marienaltar und einzigartige Bildschnitzereien. Vertreten sind niederländische Meister wie Tilmann, der faszinierende expressive Werke aus Lindenholz schuf, und Arnt van Tricht mit seinen detailgenauen Figurengruppen. Viele der Holzskulpturen weisen noch die originale Farbfassung auf, stammen vor allem aus Kirchen und privaten Sammlungen und sind besonders authentisch. Hier werden das Mittelalter und die darin dominierende katholische Religion einzigartig sichtbar.Weitere Ausstellungen des Museums
Im seitlichen Saal finden Sie die Malerei des 15. bis 18. Jahrhunderts, darunter Tafelgemälde der Kölner Malschule, während der große Saal die Malerei des spanischen und italienischen Mittelalters enthält. Beeindruckend ist hier das große Gemälde „Die Anbetung der Hirten“ von Jusepe de Ribera, während auch Tintoretto oder Zurbarán vertreten sind. Weitere großformatige Gemälde bietet der Saal mit den flämischen und niederländischen Malern, unter denen der Rubens-Schüler Jan Boeckhorst ebenso zu sehen ist wie die Mitglieder der Familie Brueghel. Ferner können Sie die Meister von Delft bewundern oder einen Blick auf „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ werfen, ein Motiv, das häufig gemalt wurde und hier in der Version von Lucas Cranach präsentiert wird. Das Museum bietet wahrlich eine Fülle an Kunstschätzen, unter denen vor allem bekannte Namen wie Carl Spitzweg, Rembrandt van Rijn, Anthonis van Dyck, Jacob van Ruisdael, Jan Vermeer und Frans Hals sind.Die Klassische Moderne
Die Abkehr von der realistischen Abbildung hin zur Abstraktion und Formenreduktion bietet die Klassische Moderne. Hier wurde die Farbe ein eigenständiges Ausdrucksmittel. Es galt, Formen zu durchbrechen, die Motive emotional zu überhöhen und surreale Traumwelten zu schaffen. Vertreter dieser Kunstgattung sind Lovis Corinth, Alexej von Jawlensky, August Macke, Max Beckmann oder Caspar Scheuren. Mit ihnen wechselt die Kunst zwischen Impressionismus und Expressionismus hin und her und wird durch Skulpturen und Plastiken ergänzt. Das Museum bietet regelmäßig Führungen an, die gesondert auch für Gruppen und Schulklassen buchbar sind. Sie finden themenspezifisch oder als Rundgang durch alle Epochen statt. Community: 0 BewertungenBewerten Sie diesen Ort.