Museum Haus Dix in Gaienhofen


Hier hat der bedeutende bildende Künstler der Neuen Sachlichkeit von 1936 bis 1969 mit seiner Familie gewohnt, hier hat er gearbeitet. Haus und Garten bieten einen einzigartigen Einblick in sein Leben und Schaffen. Er gilt als einer der bemerkenswertesten deutschen Maler, mit dem die Teilnehmenden einer Studienreise im Vorfeld vertraut gemacht werden sollten.
Um sein Hauptwerk rankt sich ein Geheimnis. Das Anti-Kriegsbild Schützengraben ist 1921 bis 1923 entstanden und seit 1940 unauffindbar verschwunden. Es gibt davon nichts weiter als Fotos in Schwarz-Weiß.

Otto Dix

Wilhelm Heinrich Otto Dix wurde am 2. Dezember 1891 in Gera geboren. Die familiären Verhältnisse waren zwar einfach, aber vor allem mütterlicherseits keineswegs bildungsfern.
Mit 14 begann er eine vierjährige Lehre als Dekorationsmaler, anschließend studierte er fünf Jahre lang an der Dresdner Kunstgewerbeschule.
1914 meldete er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst. Die grauenhaften Erlebnisse der folgenden vier Jahre prägten ihn nachhaltig. Sie waren fortan Hauptthema vieler seiner Bilder.
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kehrte er nach Dresden zurück. Am Anfang der 1920er Jahre ging er nach Düsseldorf und schloss die Ehe mit Martha Koch. Mitte dieses Jahrzehnts übersiedelte er für zwei Jahre nach Berlin. Von 1927 bis 1933 wirkte er in Dresden als Professor an der dortigen Kunstakademie. 1933 beendeten die Nationalsozialisten seine Professur.
Er verließ Dresden und zog nach Baden-Württemberg, 1936 nach Hemmenhofen, direkt am Bodensee. Hier ließ er das Wohnhaus mit Atelier bauen, das heute als Museum der Öffentlichkeit zugänglich und ein lohnendes und lehrreiches Ziel für eine Klassenfahrt ist.
Nicht nur Otto Dix lebte in dem Ort, sondern ebenso andere Maler sogenannter entarteter Kunst.
Auch der 2. Weltkrieg blieb ihm nicht erspart. Nachdem er 1945 zum Volkssturm eingezogen worden war, geriet er in französische Kriegsgefangenschaft. 1959 bekam er das Bundesverdienstkreuz verliehen. Am 25. Juli 1969 verstarb er in Singen.

Das Werk des Meisters

Sein künstlerisches Schaffen war auch von Renaissance, Impressionismus und Expressionismus beeinflusst, von Kubismus, Futurismus und Dadaismus.
Otto Dix wird aber als Maler der Neuen Sachlichkeit betrachtet. Dieser Stilepoche gehören die bekanntesten seiner Kunstwerke an, zum Beispiel Die Skatspieler (1920), in dem karikaturhaft die Grauen des Krieges gezeigt werden.
An die Schönheit (1922) thematisiert großstädtisches Nachtleben, amerikanischen Jazz und Tanz.
Das Triptychon Großstadt (1927/28) karikiert soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Neue Sachlichkeit

Diese Malerei will nüchtern, sachlich und objektiv die Realität darstellen und grenzt sich schon dadurch von Expressionismus und Dadaismus ab. Themen sind Krieg und Nachkriegszeit, die Weimarer Republik, der Gegensatz zwischen Vergnügungssucht in den Goldenen Zwanzigern und der Verelendung der Arbeiter. Die Darstellungen sind präzise und naturalistisch, reich an Details, zugleich emotionslos. Sie kritisieren die gesellschaftspolitische Situation dieser fiebrigen Zeit.
Die Nationalsozialisten drückten vielen Schöpfungen der Neuen Sachlichkeit den Stempel der entarteten Kunst auf, verboten und zerstörten sie. 1937 wurden auch Werke von Otto Dix in der gleichnamigen Propagandaausstellung gezeigt.

Das Museum

2010 wurde das Wohnhaus der Familie Dix behutsam saniert und in eine Gedenkstätte verwandelt. Ein Teil der originalen Möbel ist erhalten, der Garten wurde wieder so gestaltet, wie er damals war. Schwarzweiß-Reproduktionen von Gemälden des Künstlers sind zu sehen. Führungen nach Voranmeldung gibt es immer am 2. und 4. Sonntag im Monat, wahlweise um 14 oder um 15:30 Uhr. Wenn Sie im Rahmen einer Schulfahrt herkommen, kündigen Sie Ihren Besuch bitte an. Audioguide bevorzugt? Gibt es am Eingang, kostenfrei, und ermöglicht allen Jugendlichen ihr eigenes Tempo. Am Ende der Besichtigung winkt eine Pause im Museumscafé, bei schönem Wetter auf der Terrasse mit spektakulärem Seeblick. Das Museum Haus Dix ist im Winter geschlossen. Denken Sie daran, wenn Sie eine Klassenfahrt hierher planen. Auch für Regentage ist der Aufenthalt geeignet. Achtung: Das Haus ist nicht barrierefrei. Jemand, der nicht gut zu Fuß ist, kann kaum alles besichtigen. Für eine Schulfahrt mit Jugendlichen ist die Wirkungsstätte des berühmten Malers ein interessantes Ziel, auch deshalb, weil er nicht nur als Künstler außergewöhnlich war, sondern auch ein kritischer Zeuge gesellschaftlicher Zustände in den 1920er und 1930er Jahren.
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