Das „Neue Atelierhaus Panzerhalle“ in Potsdam
Auf dem ehemaligen Kasernenareal „Waldsiedlung“ im Potsdamer Stadtteil Groß Glienicke sticht ein Gebäude aus rotem Backstein hervor. Das geschichtsträchtige Relikt preußischer Kasernenarchitektur hat durch seine Umnutzung zum „Neuen Atelierhaus Panzerhalle“ eine außergewöhnliche und inspirierende Wandlung erfahren. Wo einst Grenzen überwacht und vor dem Feind verteidigt wurden, ist nun ein gemeinschaftlicher Ort des kreativen Schaffens entstanden. Das Gelände, das früher abgeschottet und eingezäunt war, ist heute offen zugänglich und lädt Menschen von nah und fern ein, Kunstausstellungen zu besuchen und sich mit verschiedenen Künstler*innen auszutauschen. Doch nicht nur die Hochsicherheitszäune fehlen. Auch die ehemalige Panzerhalle sucht man derweil vergeblich.Ein kurzer Rückblick
Die alte Panzerhalle und somit auch das langjährige Zentrum der ansässigen Künstlervereinigung musste den Plänen der Gemeinnützigen Wohnungsbau-AG (Gewobag) weichen. Im Jahr 1999 hatte die Gewobag das Kasernenareal „Waldsiedlung“ erworben und beabsichtigte, auf großen Teilen des Geländes Wohnungen für Bundesbedienstete zu errichten, die nach Berlin ziehen. Dieses Vorhaben stand im Konflikt mit den Interessen des Fördervereins „Atelierhaus Groß Glienicke e.V.“. Darin hatten sich einige Künstler*innen zusammengeschlossen, denen der Erhalt der alten Panzerhalle als überregionales Zentrum künstlerischer Produktion am Herzen lag.Trotz des hohen Widerstandes durch die Künstler*innen und durch das brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur wurde die ehemalige Panzerhalle 2007 abgerissen. Manche der Kunstschaffenden veranlasste der Verlust der Panzerhalle zum Rückzug aus der bestehenden Kunstgemeinschaft. Andere betrachteten den notwendigen Umzug in das heutige „Haus 5“ als lösungsorientierten Kompromiss sowie als Anreiz, neue Konzepte zu entwickeln.
Im „neuen Atelierhaus Panzerhalle“ finden wechselnde Kunstausstellungen statt. Zudem bietet die aktive Kunstgemeinschaft in den neuen Atelierräumen regelmäßig Vorträge, Kurse und Workshops an, die auch Bildungszwecke verfolgen. Auch die Freiflächen vor dem neuen Atelierhaus werden genutzt, um Kunst im Außenraum zu präsentieren.
Das „Neue Atelierhaus Panzerhalle“ als Symbol räumlichen Wandels
Das „Neue Atelierhaus Panzerhalle“ ist ein Ort, der nicht nur künstlerische Impressionen vermittelt, sondern auch eine einzigartige Geschichte über seinen räumlichen Wandel erzählt. Dass dort heute gemeinsam Kunst geschaffen und ausgestellt wird, ist das Resultat kontroverser Debatten über die Frage nach einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung und Umnutzung bestehender Gebäude. Die realisierten baulichen Maßnahmen zeigen exemplarisch einen möglichen Umgang mit Interessenskonflikten auf, über dessen Angemessenheit auch Schüler*innen kritisch diskutieren können.Ein Besuch des „Neuen Atelierhauses Panzerhalle“ bietet die Gelegenheit, gemeinsam zu reflektieren, wie die Kunstschaffenden mit den unausweichlichen Veränderungen umgehen, ihren Arbeitsort zu wechseln oder gar aufzugeben. So werden Schüler*innen dazu angeregt, ihre eigene Haltung im Umgang mit Kompromissen und neuen Rahmenbedingungen zu schärfen.
Die wenigen erhaltenen Bestandsgebäude des Kasernenareals „Waldsiedlung“ erinnern an eine transformationsreiche und wechselhafte Geschichte. Erste Gebäude des Kasernengeländes wurden bereits in der Weimarer Zeit errichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kaserne von der Sowjetunion besetzt und diente für mehr als 40 Jahre dem Grenzschutz der DDR. Seit der Nachwendezeit befand sich die Kaserne „Waldsiedlung“ im Besitz verschiedener Eigentümer: Dem Bundesvermögensamt, der Neuen Heimat, der LEG und der Gewobag. In dieser Phase zogen verschiedene Nutzer in das Areal ein, wie etwa die Groß Glienicker Grundschule, ein lokaler Karnevalsverein, eine Pension für Tiere sowie einige Kleinhandwerkbetriebe. Auch die damals zwanzigköpfige Kunstgemeinschaft entdeckte zu dieser Zeit die alte Panzerhalle als ihren neuen Schaffensort.
Die Geschichte des Ortes liefert umfangreiche Einblicke in das Ausmaß seiner kontrastreichen Entwicklung. Heute kann man eindrucksvoll erleben, wie aus einem geschlossenen, eingegrenzten Kasernenareal ein offener und einladender Vernetzungsraum des gemeinsamen kreativen Arbeitens geworden ist. Community: 0 Bewertungen
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