Europäisches Zentrum der Solidarność/Danzig

Danzig - diese Stadt ist seit jeher eingebettet in die Geschichte des europäischen Kontinents. Und zwar deshalb, weil sie sich im Spannungsfeld zweier Nationen befand. Hier lebt die Erinnerung an den deutschen Orden und an die Hanse, aber auch an den Vertrag von Versailles und an die spätere Ausgliederung aus dem damaligen deutschen Reich. "Freie Stadt" nannte sich Danzig, stand unter dem Patronat des Völkerbundes und wurde schließlich Polens baltischer Zugang zur Ostsee. Mit dem Namen Danzig verbindet sich aber auch die Bewegung des Lech Walesa und der ursprünglich gewerkschaftlichen Organisation Solidarność. Diesem wichtigen Kapitel der jüngeren Geschichte Polens wurde mit dem Europäischen Zentrum der Solidarność ein Denkmal gesetzt, das unbedingt bei einer Klassenfahrt oder Studienreise auf dem Programm einer Reise nach Danzig stehen sollte.

Die Kündigung der Anna Walentynowicz

Dort, wo alles begann und wo ein Streik die Machtverhältnisse in Polen nachhaltig veränderte, wurde am 30. August 2014 das Europäische Zentrum der Solidarność eröffnet. Hier, vor den Toren der Leninwerft, wurde europäische Geschichte geschrieben. In diesem für das Land schicksalhaften Sommer 1980 wurde eine Kranführerin der Werft entlassen, nachdem sie sich mit den Forderungen der Gewerkschaft solidarisiert hatte. Diese Kündigung sollte weitreichende Folgen für den gesamten Ostblock haben, denn es passierte darauf etwas, worauf die Werftleitung und wohl auch die kommunistische Elite des Landes nicht vorbereitet war. 17000 Arbeiter legten ihre Arbeit nieder und erzwangen somit die Wiedereinstellung der Anna Walentynowicz. Die Streikenden traten eine Lawine los und wählten den Elektriker Lech Walesa zu ihrem Sprecher. Zehn Jahre später wurde dieser Mann in den Rang des Staatspräsidenten erhoben und war damit neben Papst Johannes Paul II. ein polnischer Volksheld.

Tafeln aus Holz mit 21 Forderungen

Diese Geschichte sollte man wissen, wenn man als Teilnehmer einer Schulfahrt oder einer Klassenreise das Europäische Zentrum der Solidarność besucht. Die Anlage befindet sich in der Nachbarschaft des Denkmals für die während der Revolution gefallenen Werftarbeiter. Das Äußere des Gebäudes wurde Schiffsrumpfen nachempfunden und auch das Innenleben weist einen industriellen Charakter auf. Die Besucher gelangen durch das berühmte Tor 2, das während des Streiks eine zentrale Rolle auf der Leninwerft spielte, in das Zentrum. Genau hier hatten sich die Hafenarbeiter versammelt. Dieses Museum in Danzig fühlt sich der Erinnerung verpflichtet und möchte in diversen Dauerausstellungen Wege in die Freiheit weisen. Der unvergessene Kampf der Solidarność wird in diesem Zentrum durch mehrere Tausend Fotos, Filme und authentische Gegenstände aus dieser Zeit lebendig. Darunter befinden sich auch hölzerne Tafeln, auf denen die Streikenden ihre 21 Forderungen handschriftlich niederlegten. Da diese von geschichtlichem Wert sind, fanden sie Aufnahme in die Liste des UNESCO-Welterbes.

Ein "Raum der Stille" und Kreuze aus Beton

Wer sich bei einer Studienreise oder Klassenfahrt im Europäischen Zentrum der Solidarność in Danzig umschaut, kann sich einer Audio-Tour anschließen. Eine Dauerausstellung informiert auf einer Gesamtfläche von 3.000 Quadratmetern über die historische Entwicklung und das Wirken der polnischen Gewerkschaft. Dargestellt wird unter anderem der Prozess des Untergangs des Kommunismus in Polen und anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks. Ein "Raum der Stille" lädt die Besucher des Zentrums zur Besinnung und zur Reflexion des Gesehenen ein. Das Museum verfügt auch über ein Café, ein Restaurant und einen Laden. Von der Aussichtsplattform haben die Mitglieder einer Schulfahrt einen schönen Blick auf das Gelände der früheren Leninwerft. Vor dem Zentrum wurde ein 42 Meter hohes Solidaritäts-Monument errichtet. An drei weithin sichtbaren Kreuzen aus Beton wurden jeweils Schiffsanker befestigt. Das Zentrum der Solidarność vergab erstmals im Jahr 2010 die Dankbarkeitsmedaille. Sie ehrt damit Menschen aus aller Welt, die sich beim Kampf um die Freiheit der Polen mit der Bewegung der Gewerkschaft solidarisierten.
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