Die Römervilla von Bad Neuenahr-Ahrweiler

Historische Ereignisse werden erst dann so richtig lebendig, wenn man sie berühren kann. Das gilt in einem hohen Maße für die Geschichte der Römer in Deutschland. Über eine Zeitspanne von immerhin fünf Jahrhunderten drückten sie Germanien ihren Stempel auf und zu jenen Orten, in denen man noch immer den Hauch der Geschichte einatmen kann, zählt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Um die Historie zu verstehen, empfiehlt es sich, die Ausgrabungen am Silberberg im Rahmen einer Studienreise oder einer Klassenfahrt mittels einer Führung zu besichtigen. Zu sehen sind die Ruinen der berühmten Römervilla und sie legen Zeugnis ab vom Leben und vom Alltag einer wohlhabenden Familie aus der römischen Epoche. Auf mehr als tausend Quadratmetern können die Besucher über Stege wandeln und einen Blick in zahlreiche antike Räume werfen.

Ein Bagger und ein farbiges Stück Mauer

Einem Zufall verdankten die Archäologen diesen bedeutsamsten Fund im Tal des Flusses Ahr. Im März 1980 begannen Arbeiter mit dem geplanten Ausbau der Bundesstraße 267. "Rotwein-Straße" nannte man diesen reizvollen Abschnitt im Volksmund. Am Nordwestrand von Ahrweiler sollte die Fahrbahn verbreitert werden. Bagger gruben sich tief ins Erdreich des Hanges, und niemand ahnte an diesem 23. März 1980, dass sich dieser Straßenbau erheblich in die Länge ziehen würde. Denn plötzlich entdeckte ein Baggerführer, dass sich ein farbiges Mauerwerk in seiner Schaufel befand. Keinem Wissenschaftler war bis dahin bekannt, dass sich in dieser Gegend einst ein größeres Areal aus der römischen Periode befand. Vielmehr vertrauten fast alle der These, dass links am Rhein alle Zeugnisse aus römischer Zeit entdeckt worden seien. Doch nun waren die Archäologen hellwach. Was sie wiederum einen aufmerksamen Mitarbeiter des Denkmalamtes Koblenz verdankten, der zufällig dabei war, als ein Lastwagen das römische Mauerwerk zur Kippe brachte.

Die Grabungskampagne dauerte ein Jahrzehnt

Die Bauarbeiten an der Bundesstraße 267 wurden sofort eingestellt, und nach und nach zeigte sich das gesamte Volumen dieser archäologischen Fundgrube. Behutsam wurde zunächst eine 1,5 Meter hohe Mauer gesichert. Dies war der Beginn einer zehnjährigen Grabungskampagne, die von 1980 bis 1990 dauerte. Es sollten dann noch drei Jahre ins Land gehen, ehe der Öffentlichkeit das Museum Römervilla zugängig gemacht werden konnte. Die Experten vermuteten, dass das gesamte antike Gebäude im fünften Jahrhundert nach Christi Geburt durch einen Erdrutsch verschüttet wurde. Dieser Fund im Tal der Ahr war besonders deshalb von großer Bedeutung, weil sich zahlreiche Gebäude in einem hervorragenden Zustand befanden und an manchen Stellen sogar Wandmalereien entdeckt wurden. Gesichtet wurden außerdem Graffiti, Schmuck, Theatermasken und Bruchstücke aus Keramik.

"Wer nicht gut gelernt hat..."

Vor einer Schulfahrt oder einer Studienreise sollte man sich im Museum Römervilla zu einer individuellen Führung anmelden. Die Teilnehmer bekommen dann einen intensiven Eindruck vom römischen Leben vor fast zwei Jahrtausenden. Die meisten Rundgänge beginnen am sogenannten "Haus 1", dem wohl ältesten Teil der einstigen Villa. Sehr gut erforscht ist der dortige Kellerraum mit einer schräg ansteigenden Fensterbank. Die Archäologen waren beeindruckt von der sorgfältigen Ausführung der freigelegten Mauern. Im Keller befand sich sogar ein ausgeklügeltes Heizsystem. Mehrere dieser ans Tageslicht gebrachten Ruinen waren mit Bädern bestückt. Durch Kanäle gelangte das Schmutzwasser ins Freie. Das von den Archäologen entdeckte Hospiz stammt aus dem dritten Jahrhundert nach Christi. In den Küchen sind die Feuerstellen noch immer auszumachen. Die Teilnehmer einer Klassenfahrt oder einer Schulfahrt werden vermutlich ihre helle Freude haben, wenn ihnen im Obergeschoss eines Hauses ein ungewöhnliches Wand-Graffito erklärt wird. Offenbar wollte ein Lehrer seinen Schüler mit einem Spruch ermahnen: "Qui bene non didicit, garrulus esse solet". Aus dem klassischen Latein übersetzt heißt dies: "Wer nicht gut gelernt hat, pflegt ein Schwätzer zu sein..." Keine Frage: Eine Führung durch die Römervilla ist wie eine Reise durch längst vergangene Zeiten.
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