Die Marienburg im polnischen Malbork

Roter Backstein war schon in der Frühzeit der europäischen Besiedelung ein gefragter Baustoff. Christliche Mönche bedienten sich dieser Tradition, rot war die Farbe des Barock und die der mittelalterlichen Burgen. Vor allem aber waren es die Ziegeln der Hanse, die im Norden Deutschlands und im Baltikum robuste Mauern und stolze Kirchen aus rotem Lehm benutzten, um Gebäude zu errichten, von denen sie glaubten, sie seien für die Ewigkeit bestimmt. Dazu zählte auch die Marienburg im polnischen Malbork, fünfzig Kilometer südöstlich von Danzig. Heute ist die gewaltige Burg am nördlichen Ufer der Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel, ein interessantes Ziel einer Klassenfahrt oder Studienreise nach Polen. Denn die Marienburg ist der größte Backsteinbau des europäischen Kontinents.

Ordenssitz und Residenz der Könige

Deutsche Ordensritter, die sich im 13. Jahrhundert als Hospitalbruderschaft der deutschen Kaufmannschaft verstanden, hatten den Ehrgeiz, im Jahr 1270 den Bau einer Festung im heutigen Malbork zu vollenden. Dies sollte die Machtzentrale ihres Ordens werden und so etwas wie der Mittelpunkt eines imaginären Staates. Den Hochmeistersitz hatten die Ritter des Deutschen Ordens von Venedig auf die Marienburg verlegt und von hier kontrollierten sie weite Regionen im Osten ihres Herrschafts-Territoriums. In den 23 Jahren zwischen 1270 und 1293 wurden in der zwanzig Kilometer großen Burganlage an der Nogat etliche Millionen rote Ziegel verbaut. Es entstand eine Festung, in der über sieben Jahrhunderte deutsche und polnische Geschichte geschrieben wurde. Genau 147 Jahre war die Marienburg die Kommandozentrale des Hochmeisters und später mehr als drei Jahrhunderte lang die Residenz polnischer Könige.

Ein Teil des Welterbes der UNESCO

Nicht nur jungen Leuten mit einem geschichtlichen Interesse lohnt sich der Besuch der Marienburg im Rahmen einer Schulfahrt oder einer Studienreise. Denn kaum ein zweites Bauwerk in Polen blickt auf eine derart lange und bewegte Historie zurück. Auch deshalb führt die UNESCO die Marienburg seit dem Jahr 1997 als Teil ihres Welterbes. Nach der Festigung ihrer Macht vervollständigte der Orden die Marienburg um einige Gebäude, die der Repräsentation dienten. So entstanden ein Mittelschloss und der Palast des Hochmeisters. Geräumig war der Große Remter, ein aus klösterlicher Vergangenheit übernommenes Refektorium. Dort fanden rund vierhundert Menschen Platz. Die Festungsteile galten über einen langen Zeitraum der Geschichte als uneinnehmbar, denn die Tore der Burg waren mit Fallgittern, Wehrgängen, Pechnasen, Schießscharten und Zwingen versehen. Die Burg wurde niemals erobert - vielmehr wurde sie in der Mitte des 15. Jahrhunderts an Polen verkauft. Der Orden verlegte seine Zentrale nach Königsberg, dem heutigen Kaliningrad.

Die "Burg des deutschen Jungvolkes"

Die Nationalsozialisten neigten dazu, den Deutschen Orden zu ideologisieren und nutzten die Marienburg ab 1933 zu Festlichkeiten und Aufmärschen. Ursprünglich gab es sogar Planungen, die mittelalterliche Anlage zu einer "NS-Ordensburg" auszubauen. Diese Ideen wurden allerdings verworfen. Stattdessen sprach man von der "Burg des deutschen Jungvolkes". Während des Zweiten Weltkriegs war die Marienburg von strategischer Bedeutung beim Anrücken der Roten Armee. Durch den russischen Artilleriebeschuss wurde das historische Bauwerk stark zerstört. 1945 fiel die Burg ebenso wie Ostpreußen und Hinterpommern an Polen. Einige Jahre unterstand sie dem polnischen Militär und sollte ursprünglich zu einem Armee-Museum ausgebaut werden.

40.000 Exponate im Schlossmuseum

Heute zählt die Marienburg bei der Kleinstadt Malbork zu den interessantesten und am meisten besuchten Bauwerken Polens. Überwiegend wird die Anlage als Museum genutzt. Bei einer Klassenfahrt oder einer Schulfahrt sind zahlreiche Originalteile der Burg zu besichtigen. Auch deshalb, weil die Restauratoren nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ganze Arbeit geleistet haben. In der Marienburg wurde ein Schlossmuseum mit rund 40.000 Exponaten untergebracht. Außerdem wurde dort ein sehenswertes Bernsteinmuseum eröffnet. Wer die gesamte Burg besichtigen möchte, sollte sich auf eine Zeitspanne von viereinhalb Stunden einstellen. Führungen finden für Besucher regelmäßig in mehreren Sprachen statt.

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