001 / Maison Mallet und Kathedrale Saint-Pierre © Lightmotif - Christophe Blatt
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Internationales Museum der Reformation in Genf

Wo der Calvinismus seinen Ursprung hat


Das 2005 im Patrizierhaus „Haus Mallet“ von 1723 eröffnete Internationale Museum der Reformation in Genf. Es befindet sich an einer für die bereits vor über 2.000 Jahren erstmals urkundlich erwähnten Stadt historisch bedeutsamen Stelle. An dem Standort des von dem französischen Bankier und Namensgeber Mallet erbauten Gebäudes lag ab Mitte des 13. Jahrhunderts der Chorherren-Kreuzgang der zu dieser Zeit im romanischen und gotischen Stil vollendeten Pfeilerbasilika der Kathedrale St. Peter. Nachdem der spätere Mitarbeiter Johannes Calvins, der leidenschaftliche Prediger Guillaume Farel, mit seinem Vortrag im August 1535 für einen folgenreichen Bildersturm sorgte, bei dem Mobiliar und Statuen in der Kathedrale zerstört wurden, nahmen die lokale Bevölkerung im Mai 1536 schließlich genau hier die Reformation als neues Glaubensbekenntnis an. Die umfangreiche und mit zahlreichen Büchern, Gemälden, Handschriften und Kupferstichen sowie vielen weiteren Objekten präsentierte Dauerausstellung setzt jedoch noch früher an. Sie widmet sich auch der Geschichte der Reformation in Genf von 1517 bis in die Gegenwart. Beginnend mit den für damalige Zeiten revolutionären Thesen von Martin Luther und deren Folgen für Europa und die ganze Welt wird die ereignisreiche und wechselvolle Geschichte der Reformation wie auch der Gegenreformation in der Schweiz detailliert und fachkundig illustriert.

Ein strenger Franzose brachte die neue Glaubenslehre


Im unverkennbaren thematischen Mittelpunkt stehen dabei Leben und Lehren sowie Werk und Persönlichkeit von Johannes Calvin (1509-1564), der als Begründer des nach ihm benannten Calvinismus die Stadt Genf zu einem „protestantischen Rom“ machen wollte. Der nach der Überlieferung recht fanatische und streitlustige sowie unbeugsame und auch unter Mitstreitern häufig umstrittene Pionier der Reformation ist auf zahlreichen Exponaten abgebildet. Mit einem mahnend erhobenen Zeigefinger wird Calvin anhand einer Statue von Maurice Raymond aus dem 19. Jahrhundert dargestellt. Eine ähnliche Pose zeigt er auch auf dem Gemälde des Schweizer Künstlers Albert Anker von 1859. Deutlich von der katholischen Gegenreformation beeinflusst ist das vom holländischen Maler Egbert II van Heemskerck im frühen 18. Jahrhundert angefertigte Bild, das Calvin bei seinem Einzug in die Hölle zeigt. Besonders eindrucksvoll und facettenreich werden Calvins Schaffen und das Leben der Stadt zu seiner Zeit in dem Saal mit der eindeutigen Bezeichnung „Calvin und Genf“ vorgestellt. Außer vielen weiteren Porträts Calvins und seiner Zeitgenossen sind dort auch ein bewegliches Modell der damaligen Stadt sowie Gebrauchsgegenstände aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt. Natürlich spielt der auf dem Genfer Friedhof „Cimetière des Rois“ im Stadtteil Plainpalais begrabene Reformator auch in den weiteren zwölf Sälen der Dauerausstellung oftmals eine herausgehoben und übergeordnete Rolle.

Wie sich die Reformation von Genf und Europa verbreitete


Im Saal „Bibel“ werden in Vitrinen die ersten in Volkssprache statt Latein verfassten Bibel gezeigt. Die Abteilung „Polemik“ widmet sich den zahlreichen Karikaturen und Zeichnungen, die in den erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken als Propagandamittel zum Einsatz kamen. Der anschauliche, informative und kompakte Kurzfilm „Die Reformation in 7 Minuten!“ über den Beginn des Protestantismus kann im „Salon“ angesehen werden. Über die Reformation in Frankreich sowie die dortigen Religionskriege und die blutige „Bartholomäusnacht“ am 23./24. August 1572 mit bis zu 15.000 Opfern in Paris und Umgebung informiert der „Raum Barbier-Mueller“. Im „Musikzimmer“ können Besucher auf einer Kirchenbank die für die Reformation typischen Hugenottenpsalme und lutherischen Choräle anhören. Die weitreichenden Folgen der Aufhebung des Edikts von Nantes am 18. Oktober 1685 durch den französischen König Ludwig XIV. und der anschließenden Verfolgung und Vertreibung der Hugenotten sowie der Geschichte der Waldenser wird im gleichnamigen Saal gezeigt. In der Abteilung „Reformation im 19. Jahrhundert“ empfängt eine Gemäldegalerie mit berühmten Werken zur Reformation aus dem 19. Jahrhunderts die Gäste. Dort kann auch das originalgetreu restaurierte Arbeitszimmer des Schweizer Theologen und Literaturhistorikers Alexandre Vinet besichtigt werden. Der Raum„20. Jahrhundert“ erläutert den Protestantismus der Moderne anhand der Biografien von Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer sowie die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Im Saal „21. Jahrhundert“ wird auch die Rolle der „Pfingstbewegung“ beleuchtet, in der „Salle de la Compagnie“ finden häufig Sonderausstellungen statt.
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