Die Frankfurter Paulskirche

Zeitgenössische Bilder geben Aufschluss darüber, wie es anno 1848 war, als die ersten gewählten Volksvertreter Deutschlands in die historische Frankfurter Paulskirche einzogen. Wer heute im Rahmen einer Studienreise oder Klassenfahrt die ehemalige evangelisch-lutherische Hauptkirche der Stadt Frankfurt am Main besichtigt, der wandelt auf den Spuren der Geschichte. Denn dieses Gotteshaus ist so etwas wie das Symbol der Demokratie in Deutschland. Dort tagte zwischen dem 18. Mai 1848 und dem 30. Mai 1849 die Nationalversammlung, um die "Grundrechte des Deutschen Volkes" zu formulieren. Das Resultat war das freiheitlichste und sozialste Verfassungswerk, das bis dahin auf dem Kontinent zu Papier gebracht wurde. Neben dem Hambacher Schloss wurden in der Paulskirche die Wurzeln der demokratischen Bewegung auf deutschem Boden gelegt.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Wie zahlreiche historische Bauten in der Frankfurter Altstadt erlitt auch die Frankfurter Paulskirche im Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden. Am 18. März 1944 brannte das Gotteshaus nach einem Luftangriff aus. Dank der Spenden aus ganz Deutschland wurde dieses nationale Denkmal zunächst provisorisch wiederaufgebaut, um dann zur hundertsten Wiederkehr der Nationalversammlung am 18. Mai 1948 als "Haus aller Deutschen" die Tore zu öffnen. Heute wird das Gebäude in der Umgebung des riesigen Main Tower für Ausstellungen und Versammlungen genutzt. Unter anderem wird hier alljährlich der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. Die Frankfurter Paulskirche versteht sich als politische Gedenkstätte und ist bei einer Schulfahrt oder Studienreise nach Frankfurt eine wichtige Station.

Die Reformation veränderte alles

Die Kirche mit ihrem elliptischen Zentralbau aus rötlichem Sandstein befindet sich auf den Grundmauern eines mittelalterlichen Klosters vom Orden der Barfüßer. Diese Gemeinschaft der Mönche bekannte sich zu den Idealen des Franz von Assisi, der zu seinem Habit keine Schuhe trug. Das Kloster wurde erstmals in Urkunden um 1270 erwähnt. Die Mönche übernahmen historischen Zeugnissen zufolge in jener Zeit seelsorgerische Aufgaben am Main. Der Vorläufer der Paulskirche präsentierte sich zweischiffig im gotischen Stil. Mit der Reformation änderten sich die Besitzrechte an Kloster und Kirche. 1529 weilten dort nur noch acht Mönche, die das Gotteshaus dem Frankfurter Rat übereigneten. Fast gleichzeitig wurde sie zu einer evangelischen Kirche. An der Schwelle zum 17. Jahrhundert erweiterte man das Haus um eine Orgel. Bei einer Führung wird sie den Teilnehmern einer Klassenfahrt oder Schulfahrt gezeigt.

Risse im Gewölbe der alten Kirche

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die alte Kirche der Barfüßer baufällig und es zeigten sich erste Risse im Gewölbe. Im Jahr 1786 wurden die altehrwürdigen Fassaden abgerissen, doch der Frankfurter Rat verfügte schon bald den Neubau. Diesmal verwendete man den roten Sandstein, der überall am Main zu finden war. Aber die Zeiten waren hart und die Mittel knapp. Deshalb verzögerten sich die Arbeiten, die erst 1833 abgeschlossen wurden. In einer schlichten Feier bekannte sich die Gemeinde zu einem neuen Namen für ihre Kirche. Sie wurde dem Apostel Paulus geweiht. Deutschland befand sich in den dreißiger und Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts im Aufbruch, und als 1848 mit der "Deutschen Revolution" ein Ort für ein erstes gesamtdeutsches Parlament gesucht wurde, fand man ihn in der Frankfurter Paulskirche.

Die Orgel verschwand unter einem Vorhang

Um der Frankfurter Nationalversammlung Raum zu verschaffen, waren in der Kirche Veränderungen von Nöten. Die hölzerne Kanzel wurde mit einem Tuch verhüllt und die Orgel verschwand unter einem Vorhang. Dieser zeigte die Germania mit Schwert und Fahne sowie einem Lorbeerkranz mit vaterländischen Versen. Der mehr als einjährigen Versammlung zum Zwecke der Schaffung einer Verfassung für den neuen Einheitsstaat kam es zugute, dass die Paulskirche nach ihrer Wiedereröffnung bewusst schlicht gehalten wurde. So empfahl sie sich als idealer Versammlungsort. Sehr viel später wurden Tafeln an der Außenfassade der Kirche angebracht. Sie erinnern an die Hauptdarsteller eines Ereignisses, das in diesem Gebäude Deutschland veränderte.
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