Die Festung Modlin

wehrhaftes Bollwerk an der Weichsel

An einer strategisch bedeutsamen Stelle, wo sich die Flüsse Narew und Bug vereinen und schließlich in den großen Strom der Weichsel münden, errichtete König Karl X. Gustav im Jahr 1656 in Polen eine Schanze. Er nannte sie "Bugskansen" und ließ keinen Zweifel an der geografisch bedeutsamen Position dieser Befestigung. Das Lager in Form eines Sterns mit vier Zacken erfuhr eineinhalb Jahrhunderte später auch die Aufmerksamkeit von Napoleon I., der die inzwischen halb verfallenen Wälle aufstockte und mit dem Bau einer eindrucksvollen Festung begann, die er "Modlin" nannte.

Festung von Napoleons Gnaden

Die Befestigungsanlagen am Flussufer nördlich von Warschau erhielten nach und nach gigantische Ausmaße und waren mehr als einen Kilometer lang. Heute ist die Festung Modlin eine der am besten erhaltenen wehrhaften Anlagen auf dem gesamten europäischen Kontinent. Napoleon beabsichtigte im frühen 19. Jahrhundert, seinen Einfluss auf den Osten Europas zu erweitern. Im Jahr 1809 wurde der Innenausbau der heutigen Zitadelle fertiggestellt. Es war das Werk von Francois de Chasselop-Laubat, der als General ein enger Vertrauter Napoleons war. Das rechte Ufer der Weichsel erhielt eine Holzbefestigung und Überbrückungsrampen lagerten im Inneren der Festung Modlin.

Napoleon ging und Zar Nikolaus kam

Polen war schon zu diesem Zeitpunkt seiner Geschichte der Schauplatz zahlreicher kriegerischer Auseinandersetzungen. Eine dieser Schlachten fand 1920 unweit der Festung Modlin im russisch-polnischen Krieg statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Napoleon allen Einfluss auf Gebiete im Osten eingebüßt und ertrug auf der britischen Insel St. Helena die Verbannung. Inzwischen war die Macht an Zar Nikolaus I. übergegangen, der die Festung an Narew, Bug und Weichsel komplett neu gestalten ließ. Hinter den bis zu vierzig Meter hohen Wällen lebten die Soldaten in diversen Gebäuden. Modlin galt als wichtiger Teil des sogenannten "polnisch-russischen Festungsvierecks".

Kampfhandlungen in beiden Weltkriegen

In beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts spielte die Festung Modlin eine wichtige Rolle. Im Ersten Weltkrieg gerieten dort etwa 90.000 russische Soldaten nach der Festungseinnahme durch deutsche Truppen in Gefangenschaft. Im Zweiten Weltkrieg fanden in dieser Region schwere Kämpfe statt, die mit der Kapitulation von 30.000 polnischen Soldaten endeten. 2.000 von ihnen verloren ihr Leben. Dabei kam es bei den Kampfhandlungen um Modlin überlieferten Zeugenaussagen zufolge zu ersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der damalige Kommandeur der 14. Panzerabwehrkompanie, Kurt Meyer, wurde später als Kriegsverbrecher verurteilt und von den Kanadiern erst 1954 aus der Haft entlassen.

Ein Tor zu Ehren des Generals Dabrowski

In der Festung Modlin, wo im 20. Jahrhundert ein polnisches Regiment von Kadetten stationiert war und wo es zeitweise eine Militärschule gab, gilt heute als ein international beachtetes Denkmal der Verteidigungsarchitektur. Französische, russische und polnische Elemente sind noch immer sichtbar. Es gibt kaum eine zweite Festung in Europa, in der nachweislich vier Nationen herrschten: Frankreich, Russland, Deutschland und Polen. Das "General J. Dabrowski Tor" wurde nach dem legendären polnischen Nationalhelden benannt, der bis heute eine Hauptrolle im Text der polnischen Nationalhymne spielt. Dort geben die Polen dem Verlangen Ausdruck, durch Dabrowski das "Vaterland wiederaufstehen zu lassen". Das Tor aus Ziegelsteinen in der Festung Modlin erhielt einst ein neugotisches Dekor. Zwischen 1912 und 1915 wurde im übrigen ein zweiter Verteidigungsring um Modlin errichtet.
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