Blick auf ein Römerschiff - Foto: RGZM / R. Mueller V. Iserhardt
Blick auf ein Römerschiff - Foto: RGZM / R. Mueller V. Iserhardt
Museum für Antike Schifffahrt Mainz

Der Zusammenfluss von Rhein und Main machte Mainz für die Römer interessant

Mainz als heutige Hauptstadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz kann stolz auf eine gut 2.500-jährige Geschichte zurückblicken. Nachdem keltische Stämme sich als erste Siedler zu dieser Zeit dauerhaft gegenüber der strategisch wie militärisch günstig gelegenen Stelle der Mündung des Main in den Rhein niedergelassen hatten, nutzte auch der römische Feldherr Drusus diesen Ort nach der Eroberung ab ca. 12 vor Christus zur Errichtung des Legionärslagers „Mogontiacum“. Die beiden schon damals gut schiffbaren Ströme sorgten schnell für den Bau großer Werften und umfangreicher Hafenanlagen, die intensiv für den zivilen Handel und als wichtiger Stützpunkt der römischen Rheinflotte genutzt wurden. Bis zur Zerstörung der Rheinflotte durch den sog. Germaneneinfall zur Jahreswende 406/407 blieben die Häfen von „Mogontiacum“ sowohl für die Provinz „Germania superior“ wie auch überregional bedeutende Standorte und Umschlagpunkte für Güter- und Truppentransport.

Das Römische Reich und dessen Schiffe gingen zur Freude der Wissenschaft unter


Die in der Forschung mitunter auch tendenziell euphemistisch „Rheinübergang“ genannte Invasion der verbündeten germanischen Stämme Alanen, Sueben und Vandalen, bei der auch die monumentale Steinpfeilerbrücke „Pons Ingeniosa“ erobert wurde, markierte nach Einschätzung mancher Historiker letztlich den Anfang vom Ende der römischen Herrschaft über Germanien. So tragisch diese Niederlage auch für die Römer gewesen sein mag, so gewinnbringend erwies sich der Fall der Grenzstadt doch für die Geschichtswissenschaft. Als einer der wichtigsten Funde römischer Artefakte in der Region erwiesen sich nämlich die etwa 1.600 Jahre später bei Bauarbeiten in der Nähe des Mainzer Rathauses und am „Hof zum Homberg“ in der Kappelhofgasse in der Altstadt entdeckten Wracks von Schiffen der Bautypen „Navis lusoria“ und „Navis actuaria“. Die in den Jahren 1981/82 gefundenen Schiffswracks waren aufgrund ihrer Jahrhunderte langen Lagerung in Sedimenten ohne allzu viel Sauerstoffzufuhr recht gut erhalten.

Wo einst Loks gewartet und Waren gehandelt wurden, staunen heute die Besucher


Das internationale Aufsehen, Echo und Interesse war angesichts der kulturhistorischen Bedeutung des Fundes in Fachkreisen so groß, dass für die gewissenhaft und möglichst originalgetreu restaurierten fünf römischen Kriegsschiffe im Jahr 1994 eigens, das Mainzer „Museum für Antike Schifffahrt“ als Außenstelle des bereits 1852 gegründeten „Römisch-Germanischen Zentralmuseums“ eröffnet wurde. Seither können einschlägig interessierte Besucher in einer ehemaligen, umfangreich umgebauten Eisenbahnreparaturwerkstatt und Großmarkthalle in der Neutorstraße in der Mainzer Südstadt viel Wissenswertes über die beeindruckende Vielfalt antiker und römischer Wasserfahrzeuge erfahren. Neben den 1:1-Nachbauten der „Mainzer Römerschiffe“ sind dort auch einfache kleine Boote und Kanus sowie detaillierte Modelle von römischen Handels-, Patrouillen- und Kriegsschiffe aus längst vergangenen kriegerischen Zeiten zu sehen. Ebenfalls dokumentiert sind Inschriften von Grabsteinen damaliger Flottensoldaten sowie Briefe und Urkunden zu Organisation und Umfang der römischen Rheinflotte. Darüber hinaus illustrieren auch Darstellungen den Bau, Stapellauf und Einsatz der Schiffe auf dem Fluss.

Die detaillierte Darstellung der Historie der Schifffahrt begeistert auch Experten


Ein viel bewunderter Teil der Dauerausstellung im Museum sind auch die Nachbildungen römischer Reliefs mit Darstellungen älterer römischer Kriegsschiffe, die als Vorläufer der Schiffe aus Mainz dienten. Im Mittelpunkt stehen hierbei die großformatigen Kopien der entsprechenden Abbildungen auf der weltberühmten Trajanssäule aus dem frühen zweiten Jahrhundert nach Beginn unserer Zeitrechnung in Rom. Nicht minder interessant sind die aufgezeigten baulichen Gemeinsamkeiten zwischen den antiken römischen Flussschiffen mit solchen aus dem Mittelmeerraum und dem Gebiet der nördlichen Alpen. Ein von Kindern, Jugendlichen und Junggebliebenen gern besuchter Bereich ist dabei derjenige unter der Galerie, in welchem auch die Antriebsarten der Schiffe sowie die Kleidung der Besatzungen ausführlich erläutert werden. Gleiches gilt für die hauseigene Werkstatt des Museums, in der Besucher den Modellbauern bei der Anfertigung antiker Schiffsmodelle im Maßstab 1:10 zusehen können.

Möglichst rechtzeitig informieren, ob das Museum wegen zu großer Hitze schließt


Der Besuch des Museums für Antike Schifffahrt in Mainz, welches von 2010 bis 2011 auch grundlegend energetisch saniert wurde, ist kostenlos. Zu beachten ist jedoch, dass das nicht klimatisierte Haus in den Sommermonaten ab einer Innentemperatur von 35 °C zum Schutz der Exponate geschlossen werden muss. Bei geplanten Besuchen mit größeren Gruppen empfiehlt sich somit eine rechtzeitige vorherige telefonische Auskunft etwa drei bis vier Tage vor der Anreise. Einen besonderen Schwerpunkt wird auch auf pädagogische Programme gelegt. Diese werden auch als Themenführungen für die Sekundarstufe I und II angeboten. Ebenfalls zum speziellen Angebot des Museums für Heranwachsende zählen Entdeckertouren und Ferienprogramme für Hortkinder und Grundschüler.

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