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Der Kartausgarten Eisenach und die Ursprünge als Kloster

Eine der ältesten öffentlichen Gartenanlagen im Villenviertel der Südstadt ist der Kartausgarten Eisennach. Er war in der Goethezeit ein botanischer Garten, reicht aber in geschichtlicher Bedeutung auch bis ins 14. Jahrhundert zurück. Hier gründeten Kartäusermönche ein Kloster auf rund 3,8 Hektar Fläche. Die Anlage besaß Weinterrassen, Teiche und Gartenflächen. Heute verzaubert der Landschaftspark vor allem durch den uralten Baumbestand, die exotischen Gehölze und das klassizistische Gärtnerhaus mit dem berühmten Teezimmer. Da der Kartausgarten ganzjährig geöffnet ist, bietet er sich hervorragend für einen Schulausflug an, der besonders im Frühjahr und Sommer ein idyllisches Erlebnis verspricht.

Geschichtliches Hintergrundwissen zur Kartause Eisennach

Mit der Unterstützung verschiedener Landgrafen wurde 1378 die Kartause Eisennach als aufwendig gestaltete Klosteranlage für den strengen katholischen Orden der Kartäuser angelegt. Das unbebaute Grundstück, nahe dem Marientor, bot ausreichend Platz für Weinberge, Fischteiche und das Anpflanzen von Hopfen für die Fastenzeiten. Auch eine kleine Klosterkirche mit Friedhof entstand, später dann ein Küchen- und Heilkräutergarten als separater Bereich.

In der Blütezeit des 14. und 15. Jahrhunderts verkehrten hier bedeutende Gelehrte der Scholastik. Auch die Spaltung durch die Reformation wurde hier lebendig, wobei sich einige Mönche der Lehre von Martin Luther anschlossen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage ruiniert und geplündert. Im 18. Jahrhundert war ein modernerer Gartengeschmack gefragt, der sich am englischen Landschaftspark orientierte. Verschiedene Gebäude dienten im Verlauf der Zeit als Waisenhaus und Textilmanufaktur, später sogar als Strafarbeitsanstalt, die 1906 durch eine Wandelhalle ersetzt wurde.

Gärtnerkunst auf höchstem Niveau

Eine einzigartige Umgestaltung fand zur Goethezeit statt. Während sich 1694 der Gärtner Paul Thieme der Gartenbepflanzung und Pflege widmete, kümmerte sich im 18. Jahrhundert der Hofgärtner Johann Georg Sckell um den botanischen Bestand. Goethe war seit 1776 im weimarischen Staatsdienst tätig und beriet den Herzog Carl August sowohl in kulturellen als auch landschaftlichen Fragen. Überhaupt interessierte sich Goethe für die Botanik und förderte einige gärtnerische Projekte des Herzogtums.

1801 sorgte dann Friedrich Gottlieb Dietrich durch seine Vermittlung dafür, dass auch exotische Pflanzen aus Übersee importiert wurden. Dietrich betrieb botanische Studien und prüfte die Anbaubedingungen, gab auch Unterricht in dem dort erbauten Gärtnerhaus, das heute das klassizistische Teezimmer ist. Goethe war mehrmals Gast in Eisenach und schätzte die Anlage und die Landschaft der Gegend.

Schlendern wie Goethe: Besichtigungstour als Naturerlebnis

Der Landschaftspark weist heute einen eleganten und natürlichen Stil auf, hat aber teilweise auch einen romantisch verwilderten Charakter, mit höher gelegenen Ebenen, die über uralte Steintreppen erreichbar sind, und zugewachsenen Promenaden. Es gibt viele botanische Schätze zu sehen, und im Frühjahr zeigt sich der Garten in üppiger Blütenpracht. Er lädt zum Spazieren und Erholen ein, zeigt am Südrand das 1909 für den Großherzog Carl Alexander errichtete Denkmal, verschiedene Ausgrabungen und, als Teil der großen Hirschwiese, die Plastiken einer Hirschgruppe. Das Schlendern wirkt wie eine Reise durch die Jahrhunderte. Sie treffen auf verschlungene Pfade, Teichanlagen und Terrassen, von denen der traumhafte Ausblick auf die Wartburg gelingt.

Wandelhalle, Gärtnerhaus und Teezimmer

Eines der denkmalgeschützten Gebäude ist die Wandelhalle am Rand des Parks, die heute als Veranstaltungsort genutzt wird. Sie ist ein schönes Beispiel für die einstige Kur-Architektur. Das Herzstück des Parks bildet das frühklassizistische Gärtnerhaus, das auf den Ruinen der alten Klosterkirche errichtet wurde. Unter der Anleitung des Herzogs Carl August erhielt es einen Salon, mehrere Stuben und Kammern, eine Küche und eine Terrasse.

Den Höhepunkt bildet das Teezimmer als kleiner Salon, der zwölf kostbare französische Bildtapeten aus dem 19. Jahrhundert zeigt. Diese wurden 1815 in Paris nach den Entwürfen von Joseph Dufour gedruckt. Sie zeigen die antike Liebesgeschichte von Amor und Psyche aus Apuleius Roman „Der goldene Esel“. Die Tapetenkunst war ein Geschenk der Großherzogin Sophie und zeigt sich in fast dreidimensional wirkenden, illusionistischen Landschaften. Für die Besichtigung des Teezimmers ist die Anmeldung notwendig. Gruppenführungen gibt es ab 10 Personen. Der Park wiederum ist frei zugänglich und rund um die Uhr geöffnet. Community: 0 Bewertungen
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