Die Liebfrauenkathedrale in Antwerpen


In Antwerpen, der Stadt mit dem zweitgrößten Seehafen Europas, hat man sich Zeit gelassen, als in der Region Flandern eine Kathedrale gebaut werden sollte. Nur eines wussten die Einwohner von Antwerpen im Mittelalter ziemlich genau: Das Gotteshaus sollte an historischer Stelle errichtet werden. Und zwar dort, wo es alten Zeugnissen zufolge bereits im zehnten Jahrhundert eine Kirche gab, die der Jungfrau Maria gewidmet war. Heute überragt die Liebfrauenkathedrale das Häusermeer und ist das stolzeste und wohl auch bedeutendste Bauwerk der Stadt. Die Kathedrale wurde im Jahr 1521 vollendet - ziemlich genau 170 Jahre nach dem Baubeginn.

Vom Brand zerstört - von Plünderern heimgesucht


Die Marienkirche, die im frühen Mittelalter die Vorgängerin der heutigen Kathedrale war und im Bistum Antwerpen eine wichtige Rolle spielte, wurde im 12. Jahrhundert umgebaut - und zwar im romanischen Stil. Der Legende nach soll hier Godfried van Bouillon, der Heerführer des ersten Kreuzzuges, in einer Weihnachtsnacht geschworen haben, die Reise nach Jerusalem anzutreten. Zwei Jahrhunderte später erhielt die Kirche ein Mittelschiff, das sich an die Gotik anlehnte und während eines Brandes 1533 stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Doch die Gläubigen in Antwerpen warteten diesmal nicht so lange mit dem Wiederaufbau, denn schon zu diesem Zeitpunkt war das Gotteshaus so etwas wie ein Sammelpunkt wertvoller Kunstschätze. Was im 16. Jahrhundert dazu führte, dass zahlreiche historische Exponate durch calvinistische Bilderstürmer entführt wurden. Das aber war nicht die letzte Plünderung, die das einzigartige Inventar der Kathedrale über sich ergehen lassen musste. Während der Französischen Revolution bedienten sich die Besatzer zahlreicher Gemälde.

Kein zweiter Turm, weil das Geld ausging


Wer durch die Gassen von Antwerpen bummelt, der wird die Kulisse der Liebfrauenkathedrale nicht übersehen können, denn ihr markanter Turm ragt immerhin 123 Meter in den Himmel. Dies war einst der höchste Turm der damaligen Niederlande. Ursprünglich sollte es einen zweiten geben, doch als den Planern im Jahr 1475 das Geld ausging, blieb davon nur noch ein dreigeschossiger Stumpf. Das mächtige Gotteshaus wurde aus einem Sandstein errichtet, der aus dem Herzogtum Brabant kam. Zwischen 1352 und 1535 waren unzählige Zimmerleute, Steinmetze und Träger damit beschäftigt, die Kirche mit ihren sieben Schiffen zu vollenden. Bemerkenswert waren schon damals die wertvollen Buntglasfenster, die dem Inneren eine besonders feierliche Note verliehen. Der Besucher betritt heute das riesige Gebäude durch einen dunklen Vorraum und erreicht dann das mächtige und vom Licht durchflutete Kirchenschiff mit seinen weißen Säulen.

Rubens-Altarbilder als Denkmal für die Ewigkeit


Trotz aller Plünderungen in früheren Jahrhunderten ist die Liebfrauenkathedrale noch immer so etwas wie eine Schatztruhe. Die Besucher stehen dort andächtig und staunend vor den eindrucksvollen Meisterwerken. Peter Paul Rubens, der flämische Barockmaler und Diplomat der spanisch-habsburgischen Krone, setzte sich in dieser Kirche mit seinen vier großflächigen Altarbildern ein Denkmal für die Ewigkeit. Mit seinem Gemälde der "Kreuzerhöhung" führte er in den Niederlanden den Barock-Stil ein. Im Triptychon sind weitere Werke aus der Schaffensperiode von Rubens zu bewundern. Der Vater von Peter Paul Rubens arbeitete in Antwerpen als Rechtsanwalt und Schöffe. Dem einzigartigen Klang der großen Orgel ist es zu verdanken, dass die Kathedrale immer wieder zum Ort geistiger Konzerte wird.

Das umstrittene Selbstbildnis des Jan Fabre


Auf ein ungewöhnliches Kunstwerk trifft der Besucher bereits nach dem Eingangsportal. Der "Mann mit dem Kreuz" stammt aus der Ideenschmiede des Jan Fabre. Die Plastik ist ein Selbstbildnis des Antwerpener Künstlers, der auch als Regisseur im Tanztheater tätig war. Sein Werk ist in dieser Stadt wegen der modernen Ausrichtung nicht unumstritten. Dessen ungeachtet wurde die Liebfrauenkathedrale in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Auch deshalb, weil die Domkirche des Bistums ein Musterbeispiel für die Baukunst des alten Brabant ist.
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