Sankt-Michaels'-Kirche in Zwolle

Das Herz der holländischen Stadt Zwolle schlägt in Form der mächtigen Glocken von den Türmen der Sankt-Michael's Kirche. "Grote Kerke" heißt es in der niederländischen Sprache, wenn die Menschen der Metropole unweit des IJsselmeeres von ihrem historischen Gotteshaus in der City sprechen. Seit dem Mittelalter werden die Einwohner Zwolles nicht nur von ihren Nachbarn in Kampen als "Blaufinger" beschimpft. Unter anderem deshalb, weil es damals in Zwolle üblich war, den Kampenern das Vieh von ihren Weiden zu stehlen. Schon damals gab es dort die Sankt-Michael's Kirche. Sie war und ist am Großen Markt das bedeutendste Bauwerk der alten Stadt.

Blitze zerstörten den mächtigen Turm


Brände, häufig die Folge von Blitzeinschlägen, setzten der Kathedrale von Zwolle im Laufe ihrer Geschichte sehr oft zu. Alten Chroniken zufolge stürzte der Turm der Kirche, der mit seiner Höhe von 120 Metern einst zu den mächtigsten der Niederlande zählte, im Jahr 1682 in sich zusammen. Nach heftigen Gewittern gab es bereits in den Jahren 1548, 1606 und 1669 erhebliche Schäden an dem "Finger Gottes", der die Altstadt von Zwolle überragte. Dort, wo sich heute die Sankt-Michael's Kirche erhebt, gab es wohl schon 765 eine Vorgängerin. Allerdings ist aus dieser frühen Zeit kaum etwas überliefert.

Eine dreischiffige Kathedrale


Sehr viel mehr weiß man in Zwolle über jene Kirche zu berichten, die an gleicher Stelle um 1200 entstand. Sie wurde den Gepflogenheiten dieser Zeit zufolge im romanischen Stil errichtet und zweihundert Jahre später um die heutige dreischiffige Hallenkirche erweitert. Sie ist ein einzigartiges Beispiel für die sogenannte niederrheinische Gotik. Unter den Backstein-Fassaden des Gotteshauses am Großen Markt bieten Bauern auf dem wöchentlichen Markt ihre Produkte an, und eine übergroße Statue aus grünem Glas soll den Erzengel Gabriel darstellen. Vor der historischen Hoofdwacht, wo früher Diebe und Mörder hingerichtet wurden, flanieren heute die Touristen oder nippen unter den Schirmen eines behaglichen Restaurants an ihren Kaffeetassen oder ihren Weingläsern.

Die mächtige Orgel des Arp Schnitger


Bei einem Rundgang durch die Sankt-Michael's Kirche sollte man der schönen Kanzel aus dem 17. Jahrhundert seine Aufmerksamkeit schenken. Das protestantische Gotteshaus fand Einzug in die Liste der holländischen Nationaldenkmäler und zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Zwolle. Nicht zuletzt aber auch wegen seiner gewaltigen Orgel, die aus der Werkstatt von Arp Schnitger stammt, der sich im frühen 18. Jahrhundert in Deutschland und in den Niederlanden eines überragenden Rufs als Orgelbauer erfreute. Im Winter 1718 unterschrieb er in Zwolle einen Vertrag und schloss drei Jahre später seine umfangreichen Arbeiten ab. Schnitger baute mit seinen Söhnen Frans und Johann-Georg in seinen Werkstätten in Schmalenfleth, Golzwarden und Neuenfelde insgesamt mehr als hundert Orgeln.

Der Klang einer großartigen Orgel


Die zunächst von Schnitger konzipierte Orgel wurde mit ihrem einzigartigen Pfeifen-Ensemble in den Jahren 1719 und 1721 erweitert. Sie verfügte über insgesamt 63 Register und war damit weltweit eine der größten Orgeln dieser Zeit. Dem Genie aus dem deutschen Norden war es gelungen, in der Sankt-Michael's Kirche in Zwolle ein Klangkonzept zu entwickeln, das aus rauschenden Mixturen und starken Bässen bestand und das sich bis heute ausgezeichnet einbinden lässt in den Gesang der Gemeinde oder des Chores. Seine Orgel wurde im Jahr 1723 von dem holländischen Maler Anthonij Aardewijn vergoldet. Die Schnitzarbeiten in der Kirche lagen in den Händen von Jurrien Westerman, Herman van der Borgh und Herman Weideman. Im Kircheninnern schmückt nunmehr ein Brunnen des ehemaligen Baptisteriums aus der Frühzeit der Kathedrale die Westfassade. Nach Renovierungsarbeiten wurde die Kirche im Jahr 1996 von dem heutigen niederländischen König Willem wiedereröffnet. Das Glasfenster im Sankt-Michael's-Chor war ein Geschenk der Stadt Zwolle an die Gemeinde.
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