Blick auf VilniusFoto: Luigi Crosti auf Pixabay
Blick auf VilniusFoto: Luigi Crosti auf Pixabay

Litauisches Kunstmuseum in Vilnius

Wenn Sie eine Kurs- oder Klassenfahrt ins Baltikum planen, haben Sie sich vermutlich bewusst vom Massentourismus unserer Zeit abgewandt und werden feststellen, dass die Reiseziele abseits der ausgetretenen Pfade noch stets die interessantesten sind. Litauen gilt bis heute als Geheimtipp - die meisten Deutschen wissen kaum etwas über dieses kleine Land an der Ostsee, noch weniger über die Hauptstadt Vilnius und auch von Litauischer Kunst ist so gut wie nichts bekannt.
Willkommen also im Litauischen Kunstmuseum Vilnius. Hier werdet ihr nicht nur Kunstschätze einer nahezu unbekannten Nation entdecken, sondern auch die wechselhafte Vergangenheit der Stadt und der Einrichtung kennenlernen. Die Institution Kunstmuseum ist nämlich schon ein Denkmal für sich ...

Vilnius: Mitten drin, aber nirgendwo dabei

Die Geschichte des Museums beginnt vor 115 Jahren: Damals gehörte Litauen zum russischen Zarenreich und ächzte unter dem Verbot seiner Schrift, Sprache und Kultur. Erst nach der Revolution von 1905 lockerte die neu eingerichtete Duma (das russische Parlament) diese restriktiven Bestimmungen. Sofort blühten Kunst und Kultur an der Ostsee auf, mehrere Ausstellungen fanden statt, ihre Exponate wurden von der "Litauischen Kunstgesellschaft" gehortet und ein nationales Kunstmuseum geplant.

Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Als er vorbei war, war die ersehnte Unabhängigkeit Litauens Wirklichkeit geworden - und ein Kunstmuseum nicht mehr die erste Sorge der jungen Republik. Als der Stadtrat von Vilnius die Einrichtung eines Museums beschloss, war Vilnius nicht mehr Litauens Hauptstadt, sondern Sitz einer polnischen Provinz. Polen hatte den Süden Litauens 1920 annektiert: In der größten Stadt Litauens lebten nämlich 2 % Litauer, aber 50 % Polen ...

Als im Frühling 1941 endlich erste öffentliche Ausstellungen stattfanden, war Litauen als Staat von der Landkarte verschwunden: Seit 1940 gehörte Vilnius zur Sowjetunion. Wenige Wochen später fiel Nazi-Deutschland ein. Seit 1945 gehörte Vilnius als "Wilna" wieder zur UdSSR; Litauen wurde erst 1991 wieder ein unabhängiger Staat. Das Kunstmuseum aber überlebte all diese wirren Zeitläufe.

Das Kunstmuseum: Mehrere Standorte

Wobei die Bezeichnung "Das Kunstmuseum" irreführend ist. Anders als etwa der Prado oder der Louvre ist das Litauische Kunstmuseum auf mehrere Stadtorte verteilt. Die eigentliche Gemälde-Galerie residiert im Chodkevičiai-Palais, die Galerie für angewandte Kunst im Arsenal der Burg; dem Maler Vytautas Kasiulis (1918-1995) ist eine eigene Filiale mit 950 seiner Werke gewidmet. Wenn ihr also mehrere Abteilungen des Kunstmuseums besuchen wollt, lernt ihr automatisch auch verschiedene Teile von Vilnius kennen.

Das Kunstmuseum betreut außerdem diverse Filialen außerhalb der Hauptstadt: Das berühmte Bernstein-Museum in der Stadt Palanga und das Uhrenmuseum in Klaipeda gehören ebenfalls dazu.

Die Ausstellungen: Vom Großreich zum 21. Jahrhundert

Ein Schwerpunkt der Kunstsammlung sind Werke, die über 500 Jahre alt sind: Sie stammen aus der Zeit um 1500, als Litauen, gemeinsam mit Polen, eine europäische Großmacht war. An Porträts berühmter Staatsmänner, Politiker und Offiziere aus jener Epoche herrscht kein Mangel.

Ein zweites Standbein ist die sakrale Kunst. Im heutigen Litauen existierten mehrere christliche Glaubensrichtungen Tür an Tür mit dem Judentum. So finden sich Altarbilder, Buntglasfenster und Wandmalereien aus katholischen und protestantischen Gemeinden ebenso in Vilnius wie Ikonen der russisch-orthodoxen Kirche und jüdische Synagogenkunst.

Das dritte Standbein ist die oben erwähnte Kunstbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Mikalojus Ciurlionis, Vytautas Kairiukstis oder Jozef Balzukiewicz sind bekannte Namen aus jenen Jahren - wobei Letzterer für die polnischen Künstler im heutigen Litauen steht.
Ein bekannter jüdischer Maler aus Litauen war Jehuda Pen (1845 - 1937), der sich sowohl in Litauen selbst als auch im zaristischen wie kommunistischen Russland einen Namen machte, obwohl er seine jüdischen Wurzeln nie verheimlichte und Szenen aus den armen jüdischen Vierteln ausstellte. Pen wurde 1837 in Vitebst (Weißrussland) von Unbekannten ermordet; zum Gedenken wurde in Vitebst eine Galerie mit seinen Werken gestiftet - diese Sammlung gehört heute ebenfalls dem Nationalen Kunstmuseum.

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