Chopin-Museum und Denkmal in Zelazowa Wola

Der wohl berühmteste Musiker Polens

Als der heute weltberühmte polnische Komponist und Pianist Frédéric Chopin Ende Februar oder Anfang März 1810 im bis heute mit lediglich 65 Einwohnern kleinen Ortsteil Żelazowa Wola der Gemeinde Sochaczew im geografischen Zentrum Polens geboren wurde, gehörte sein Geburtsort zum 1807 von Napoléon errichteten Satellitenstaat Herzogtum Warschau, der aber lediglich bis zum Beginn der Restauration durch den Wiener Kongress im Jahr 1815 existierte. Der nach französischem Vorbild organisierte, wenn auch nur kurzlebige Staat war gewissermaßen die adäquate politische Entsprechung des familiären Hintergrunds von Frédéric Chopin, dessen Vater Nicolas Chopin als Jugendlicher schon 1787 aus Frankreich eingewandert war und dort 1806 seine polnische Ehefrau Tekla Justyna Krzyżanowska heiratete. Dem Paar waren vier Kinder vergönnt, der zweitgeborene Frédéric Chopin litt jedoch vom Beginn seines Lebens an unter einer sehr schwachen gesundheitlichen Konstitution.

Studienreise auf dem Land

Nach dem Umzug der Familie nach Warschau 1810 lebte diese im sächsischen Palais, wo Vater und Mutter Chopin häufig musizierten und vermutlich auch ihren kränklichen Sohn schon am Piano unterrichteten. Seine erste professionelle Ausbildung erhielt dieser jedoch zwischen 1816 und 1821 vom böhmischen Komponisten und Klavierlehrer Vojtěch Živný, woraufhin das „Wunderkind“ Chopin bereits mit 7 Jahren die ersten Konzerte gab. Von 1823 bis 1826 setzte er seine Ausbildung am „Königlich-Preußischen Lyzäum zu Warschau“ fort, sein großer Erfolg beim begeisterten Publikum bescherte ihm 1825 sogar ein Konzert für den russischen Zaren Alexander I, der sich hierfür mit einem Diamantring als Geschenk bedankte. Um 1828 verbrachte Chopin viel Zeit in der Provinz, wo er nach und nach polnische Volksmusik schätzen lernte, auch in Berlin und Wien feierten die Zuhörer seine Konzerte frenetisch. Anfang November 1830 beschloss Chopin, seine große Popularität auch im Ausland stärker zu nutzen, und nach einem Aufenthalt in Wien reiste er im September 1831 nach Paris.

Schaffen, Werk und Leben

In der französischen Hauptstadt, in der seinerzeit viele Flüchtlingen aus Polen lebten, pflegte Chopin weiterhin seine polnische Identität, obwohl er ab 1835 einen französischen Pass besaß. Schnell kam er in Kontakt mit berühmten Künstlern und Musikern wie Hector Berlioz, Franz Liszt, Heinrich Heine, Robert Schumann und Alfred de Vigny. 1838 begann seine stürmische Beziehung mit der feministisch-rebellischen Schriftstellerin George Sand, die bis 1847 andauern sollte. Trotz seines sich ab 1842 stetig und sichtbar verschlechternden Gesundheitszustands absolvierte Chopin noch 1848 eine Konzertreise durch England und Schottland, wo er am 16. November in London seinen letzten Auftritt gab. Im Verlauf des Sommers 1849 wurde der immer schwächere Chopin von Freunden und Familienmitgliedern gepflegt, bevor er schließlich am 17. Oktober im Alter von nur 39 Jahren vermutlich an Tuberkulose in Paris verstarb. An der Totenfeier kurze Zeit später in der Pfarrkirche „La Madeleine“ durften nur geladene Gäste teilnehmen, über 3.000 eigens aus dem Ausland angereisten Verehrern wurde der Zutritt verweigert. Seine letzte Ruhe fand Chopin auf dem auch wegen vieler Gräber anderer Prominenter häufig im Rahmen einer Klassenfahrt, Schulfahrt oder Studienreise besuchten „Cimetière du Père-Lachaise“.

Klassenfahrt zu einem polnischen Kulturdenkmal

Das erste auf Initiative des russischen Komponisten Mily Balakirev im Jahr 1894 von den beiden Bildhauern Bronisław Żochowski und Jan Wojdyga geschaffene und in einem Park neben dessen Geburtshaus in Żelazowa Wola errichtete Denkmal für Frédéric Chopin wurde leider im Ersten Weltkrieg zerstört. 1928 erwarben schließlich zwei Vereinigungen zum Gedenken an Chopin das Haus und das umliegende, gut 36.000 m² große Grundstück. 1931 wurde das Museum im noch kleinen Umfang eröffnet, bevor das Areal kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1944 vorübergehend als Militärlazarett von der deutschen Wehrmacht genutzt wurde. 1949 erfolgte die Wiedereröffnung, im Jahr 1969 kam es zur Enthüllung des vom polnischen Bildhauer Józef Gosławski bereits 1955 geschaffenen zweiten Frédéric-Chopin-Denkmals in Żelazowa Wola. Heute umfassen die beiden Chopin-Museen in Warschau und Żelazowa Wola zusammen gut 7.500 Exponate aus dem kurzen, aber äußerst kreativen und ereignisreichen Leben des unvergleichbar begnadeten Künstlers. Im Sommer finden auch häufig Konzerte mit Chopins Werken im Park sowie im Museumsgebäude statt.
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